Barack Obama würde die Grünen wählen, bestimmt. Der US-Präsident ist gewissermaßen der virtuelle Stargast in Berlin-Pankow, wo die Grünen an diesem Wochenende ihren Parteitag abhalten. Auf der großen Leinwand, unter der die Grünen-Führung sitzt, erscheint Obama am Freitagabend. Er preist die neuen, nachhaltigen, umweltfreundlichen Technologien. Hier müsse man künftig investieren, hier liege die Zukunft. Die grünen Häuptlinge auf dem Podium benicken den YouTube-Schnipsel heftig: Sie sagen das ja schließlich schon seit Jahren.

Obama ist nicht der einzige Kronzeuge, den die Grünen an diesem Wochenende aufrufen. Auch die "neoliberale Fachpresse" hat inzwischen grüne Themen für sich entdeckt. So sagt es Jürgen Trittin in seiner Rede am Samstagmorgen. Der Spitzenkandidat hält die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftswoche in die Luft. "Grün aus der Krise" steht da. "Die haben fast wörtlich unser Programm abgeschrieben", sagt Trittin. Er ist stolz und spöttisch zugleich.

Die Botschaft, die die Grünen von ihrem Wahlparteitag aussenden wollen, ist klar: Die krisengeschüttelte Welt spricht grün. Selbst alte Industriebranchen, wie die Auto- oder Chemieindustrie sind derzeit stark interessiert an einer energiesparenden Produktion. Grüne Themen haben Konjunktur. Oder wie es der realo-intellektuelle Fraktionschef Fritz Kuhn sagt: "Grün ist eingedrungen in den hegemonialen Diskurs der Republik".

Entsprechend selbstbewusst ist das Wahlkampfprogramm. Die Grünen betonen nicht nur ihr Urheberrecht auf die Ökosteuern und erneuerbare Energien dieser Welt. Sie gehen einen Schritt weiter. Sie bewerben einen "neuen grünen Gesellschaftsvertrag". Oder, im Obama-Sprech: einen "Green New Deal".

Trittin sagt: "Wir können nicht nur Öko". Nein, die Grünen wollen zeigen, dass sie auch Wirtschaftskompetenz haben. Genauer: dass Ökologie und Ökonomie in Zeiten der Wirtschaftskrise zusammengehören. Dass spätestens jetzt nachhaltige Investitionen gefordert seien.

Das neue grüne Programm ist anspruchsvoll. 20 Milliarden Euro jährlich sollen zusätzlich zu den Konjunkturpaketen der Bundesregierung investiert werden - in grüne Zukunftsfelder: also in Klimaschutz, Umwelttechnologie und Bildungseinrichtungen. Finanziert werden soll das über eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes und eine Vermögenssteuer.

Plakatives Ziel der Grünen ist, in den nächsten vier Jahren eine Million "nachhaltige" Jobs in Deutschland zu schaffen. Ein so konkretes, ambitioniertes, man könnte auch sagen: vollmundiges Ziel hat man von den Parteien bisher im Wahlkampf noch nicht gehört. Kein Vergleich zum Wahlkampf 2005, der ganz auf die Popularität Joschka Fischers abzielte. "Außen Minister – innen grün", warb die Partei damals. Inhaltlich sei das ein bisschen dünn gewesen, sagen die Parteistrategen heute.