Es lag an der Sonnenbrille, dass wir uns nie wieder trafen. Als der Mann mit den grünen Augen eine Ray-Ban Modell "Wayfarer" in der Signalfarbe Rot aus der Tasche holte und aufsetzte, wurden mir zwei Dinge klar: Er ist eitel und er will nicht erwachsen werden. Der Träger einer bunten "Wayfarer" will auffallen. Der Farbklecks in seinem Gesicht schreit nach Beachtung. Und das schon von weitem.

Raymond Stegeman, der die "Wayfarer" 1952 für Ray-Ban designt hat, wäre vermutlich entsetzt, könnte er sehen, was aus seinem Entwurf geworden ist. Das Original ist ein simples, schwarzes Kunststoffgestell mit schlichten schwarzen Gläsern und kleinen silbernen Applikationen. Ihre Eleganz und Coolness verhalfen der Sonnenbrille zu Weltruhm, aber auch die Tatsache, dass sie neben der Pilotenbrille "Aviator" zur Brille der Stars wurde: John F. Kennedy und Andy Warhol erklärten sie zu ihrem Lieblingsmodell, Audrey Hepburn trug sie zu ihrem Givenchy-Abendkleid in Frühstück bei Tiffany.

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In den Achtzigern verliehen die Blues Brothers und die Cops von Miami Vice der Brille neuen Glanz (Coolness). Dann verschwand sie in der Versenkung und tauchte erst vor zwei Jahren wieder in leuchtenden Farben in der Londoner Clubszene auf. Es waren billige Imitate der "Wayfarer", die sich die New Rave Kids als Accessoires ins Haar steckten.

Der Trend aus dem Nachtleben wurde wenig später auf die Straße getragen. Kurz darauf produzierte die italienische Luxottica-Gruppe, zu der Ray Ban inzwischen gehört, die original "Wayfarer" in Weiß. Gesellschaftsfähig wurde das Modell spätestens in dem Moment, als es in L.A. auf den Nasen von Paris Hilton, Drew Barrymore und Lindsay Lohan gesichtet wurde.

Beim modischsten aller Musikfestivals, dem "Coachella" in der kalifornischen Wüste, war die "Wayfarer" in diversen Farbvariationen der Liebling der Stars.