Die Pilger aus aller Welt hatten sich am Donnerstagmorgen für die Messe mit dem Oberhaupt der Katholiken auf einem Berg versammelt, von dem nach biblischer Überlieferung der aus einer Synagoge vertriebene Jesus hinabgestoßen werden sollte. Die Besucher der Messe feierten Benedikt mit Slogans wie "Viva il Papa" und "So, wie wir Johannes Paul II. liebten, so lieben wir auch dich."

In seiner Predigt ging der Papst auf Spannungen in der arabisch geprägten Stadt Nazareth ein, die in den vergangenen Jahren schädlich für die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen gewesen seien. "Ich dränge alle Menschen guten Willens in beiden Religionsgemeinschaften, den angerichteten Schaden auszubessern", sagte er. Alle sollten die zerstörerische Kraft von Hass und Vorurteil abwehren, "die die Seele des Menschen tötet, bevor sie seinen Körper tötet". Stattdessen müssten Brücken für ein friedliches Zusammenleben gebaut werden.

Der Papst würdigte zudem ausführlich den Wert und die Rolle der Familie, die "erster Baustein einer wohlgeordneten und offenen Gesellschaft" sei. Die einst in Nazareth beheimatete Heilige Familie sei ein Vorbild für jedes christliche Familienleben, sagte Benedikt. Das gelte vor allem für die heutige Zeit, in der viele doch erst wieder neu lernen müssten, "dass die Familie nach Gottes Plan auf der lebenslangen Treue von Mann und Frau in einer geweihten Ehe beruht".

Treffen mit Netanjahu am Nachmittag geplant

Nach der Messe will sich Benedikt XVI. im Franziskaner-Kloster Nazareths mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu treffen. Außerdem ist ein Besuch der Verkündigungsgrotte und eine Vesper in der Oberkirche der Verkündigungsbasilika geplant.

Am Mittwoch hatte Benedikt in Bethlehem vor verantwortlichen Politikern über den Nahostkonflikt gesprochen und sich leidenschaftlich für ein souveränes Heimatland für die Palästinenser eingesetzt. Gleichzeitig rief er zu Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung auf.

"Mauern können niedergerissen werden", sagte er in seiner Rede mit direktem Blick auf die meterhohe Sperrmauer zwischen Israel und dem Westjordanland. An die jungen Palästinenser appellierte er, trotz ihrer schwierigen Lage nicht zu verbittern und der Versuchung von Gewalt und Terror zu widerstehen.

Der Papst hatte in allen seinen Reden in Bethlehem Solidarität mit den Palästinensern und deren Leid geäußert. Palästinenserpräsident Machmud Abbas dankte Benedikt für dessen Haltung und das Mitgefühl "für das Leiden unseres Volkes". Er rief zu einer Friedensvereinbarung mit Israel auf der Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung auf.

Es war der erste Besuch Benedikts als Oberhaupt der katholischen Kirche in den Palästinensergebieten. Im Westjordanland leben 50.000 Christen unter 2,4 Millionen Muslimen - im Gazastreifen sind es rund 1000 Christen.