Die Pilgertradition zu den Heiligen Stätten bezeuge das "unzertrennlichen Band zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk", sagte Benedikt XVI. beim Besuch der früheren Moses-Basilika auf dem Berg Nebo in Jordanien. Christen und Juden sollten gemeinsam den Wunsch haben, "in gegenseitigem Respekt alle Hindernisse für eine Versöhnung zu überwinden."

Die Religion werde entstellt, "wenn sie in den Dienst der Ignoranz oder des Vorurteils, der Verachtung, der Gewalt und des Missbrauchs gepresst wird", mahnte der Papst, als er im weiteren Verlauf seiner Reise den Grundstein der Universität des Lateinischen Patriarchats in Madaba segnete. Er setze auf die Förderung von Bildung, denn sie sei "ein Sprungbrett für die persönliche Entwicklung wie auch für Frieden und Fortschritt".

Beim Besuch der größten Moschee Jordaniens, der Grabesmoschee des ehemaligen Königs Hussein in Amman, sagte Benedikt, es könne nicht geleugnet werden, was es in der Vergangenheit an Spannungen zwischen Anhängern verschiedener Religionen gegeben habe. "Muslime und Christen müssen heute, eben wegen der Bürde der so häufig von Missverständnis geprägten gemeinsamen Geschichte danach streben, als nach den Geboten lebende Gläubige gesehen und erkannt zu werden", sagte der Papst vor muslimischen Religionsführern, Rektoren und Diplomaten. Gläubige beider Religionen sollten die Herausforderung annehmen, "gemeinsam alles zu suchen, was gerecht und richtig ist."

Am Sonntag will der Papst unter anderem die Stelle am Jordan besuchen, an der nach der Überlieferung Jesus getauft wurde. Außerdem wird er eine Messe im Stadion von Amman halten. Am Montag reist Benedikt XVI. weiter nach Israel.