Es war ein ethisch und emotional schwieriges Thema, mit dem sich der Bundestag an diesem Mittwoch nach jahrelangem Streit befassen musste. Es ging um eine neue Regelung für jene Abtreibungen, die aufgrund einer festgestellten Behinderung des Fötus nach der 23. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden. Wie immer bei solchen Fragen waren die Abgeordneten vom Fraktionszwang entbunden, sie durften frei nach ihrem Gewissen abstimmen. Nach einer engagierten Debatte setzte sich der Antrag einer fraktionsübergreifenden Gruppe um den CSU-Abgeordneten Johannes Singhammer durch.

Haben also die Konservativen gesiegt? Nein, der Entwurf wurde von einer breiten Mehrheit mitgetragen, von Frauen wie Männern, von Konservativen wie Liberalen und Linken, von Gläubigen wie Atheisten – weil das, was Singhammer sich erdacht hat, so schlecht nicht ist. Das Gesetz sieht Regeln vor, von denen man hoffen mag, dass sie Schwangere und ihre Partner nach einem erschütternden Befund unterstützen werden.

Der Arzt ist künftig verpflichtet, die Schwangere zu beraten und ein Beratungsangebot zu vermitteln, drei Tage müssen vergehen, bis eine medizinische Indikation festgestellt werden darf. Der Arzt muss der Schwangeren Aufklärungsbroschüren aushändigen und die Behandlung dokumentieren. Gestrichen wurde allerdings, dass er die Daten anonymisiert weiterreichen soll.

Die Aushändigung von Infobroschüren mag sinnlos erscheinen, ebenso wie die Beratung bei Frauen, die ohnehin zum Abbruch entschlossen sind. Trotzdem, und das ist das Wichtigste: Der Paragraph 218 selbst wird nicht angerührt, die Schwangere wird zu nichts gezwungen, sie kann die Beratung verweigern – nur eben jene dreitätige Bedenkzeit nicht. Keine Frau wird, wie einige Feministinnen befürchten, gezwungen, im Ausland abzutreiben, weil sich in Deutschland ein Arzt weigern wird, eine medizinische Indikation anzuzeigen.

Also alles gut? Nein. Denn es bleibt ein Rest Unbehagen bei dem Entwurf von Johannes Singhammer, obwohl er der Sache nach gut ist. Das hängt mit seinen Intentionen zusammen – ihm geht es nicht um die betroffenen Frauen, ihm geht es um den Schutz ungeborener Föten, "menschliches von Gott gegebenes Leben".

Einige Frauen von der SPD, der FDP und den Grünen werden nicht unbedingt die gleichen Gründe gehabt haben, den Antrag zu unterstützen. Sicher wird es  auch ihnen um den Schutz des ungeborenen Lebens gegangen sein – indem sie auf die wohl überlegte, bewusste und abgewogene Entscheidung der betroffenen Frau setzen.

Und dabei können sie durchaus Unterstützung gebrauchen. Denn nur 18  Prozent aller Frauen, ergab eine Studie, wurden nach einem pathologischen Befund bei ihrem Fötus ausreichend beraten. Und in einer Langzeitstudie stellten die Gynäkologinnen Christiane Woopen und Anke Rohde fest, dass nur die Hälfte der Frauen sich zwei Jahre nach der Spätabtreibung genauso wieder entscheiden würden.