Die Passagiere an Bord der MS St. Louis sind verzweifelt. Von Kuba abgewiesen nimmt das Schiff mit fast 1000 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland am 2. Juni 1939 Kurs auf Florida. Auch Alfred und Selma Heldenmuth hoffen mit Tochter Lilo auf eine Einreise in die USA. Die Regierung hat allerdings bereits signalisiert, dass sie die Flüchtlinge nicht "außer der Reihe" aufnehmen wird. Kapitän Gustav Schröder will deswegen versuchen, Passagiere bei Nacht mit Rettungsbooten an Land zu bringen. Er weiß: Am 18. Juni muss das Schiff zurück in Deutschland sein. Allen Passagieren, die dann noch an Bord sind, droht das Konzentrationslager.

Sein Plan gelingt nicht. Ein Boot der US-Küstenwache erscheint, erfasst das Schiff mit Scheinwerfern, fordert es auf, die Küstengewässer zu verlassen. Präsident Roosevelt will im angespannten Klima der US-Einwanderungspolitik kein Risiko eingehen. Auch in den Vereinigten Staaten ist in diesen Tagen Antisemitismus weit verbreitet. Trotz der gültigen Papiere der US-Einwanderungsbehörde, die fast alle Passagiere besitzen und die in den kommenden Monaten wirksam würden, wird die St.  Louis von den USA abgewiesen.

Schröder kreuzt daraufhin weiter vor der Küste. Er versucht, Zeit für Verhandlungen zu schinden. In der Ferne sind die Lichter und Hochhäuser von Miami zu erkennen. Am Abend des 6. Juni kommt dann die Schreckensnachricht: Die HAPAG befiehlt die sofortige Rückkehr nach Hamburg. Das bedeutet: Rückkehr nach Nazi-Deutschland. Rückkehr in die Konzentrationslager. Mehr als 300 der Passagiere waren vor ihrer Abreise dort interniert. Der Leiter des Bordkomitees Josef Joseph schreibt eine Notiz: "Wenn das Schiff nach Deutschland zurück fährt, finden sie hunderte leere Kabinen." Kapitän Schröder muss den Kurs auf Europa befehlen.

In diesen Tagen der Ungewissheit, der Verzweiflung, der Angst feiert die Familie Heldenmuth aus dem sauerländischen Plettenberg am 9. Juni den ersten Geburtstag ihrer Tochter Lilo. Zu diesem Zeitpunkt wissen ihre Eltern nicht, was für eine Zukunft ihr Kind erwartet. Zum zweiten Mal überqueren sie nun innerhalb weniger Wochen den Atlantik. Der Himmel ist grau, der Seegang stärker als zuvor. Es regnet. Welches Schicksal erwartet die Familie in Europa?

Kapitän Schröder hofft an diesem Tag noch, die Küsten neutraler Staaten ansteuern zu können. Verpflegung, Frischwasser und Treibstoff werden knapp. Rationierung ist seit Tagen die Folge. Der erfahrene Seemann erwägt drastische Lösungen – sogar eine Havarie vor der englischen Küste vorzutäuschen, um die Flüchtlinge so an Land zu bringen.

Dazu kommt es nicht. Eine erlösende Nachricht aus Paris sickert durch: Belgien, Holland, Frankreich und England nehmen die Flüchtlinge dank der Bemühungen des jüdischen Hilfsvereins JOINT auf. An Bord der St. Louis: Erlösung, Entspannung, Freudentaumel. Kapitän Schröder befiehlt erleichtert Kurs auf Antwerpen.

Dort steuert das Schiff am 17. Juni den Pier an. Die Passagiere werden in vier Gruppen aufgeteilt. Belgien nimmt 214 Flüchtlinge auf; 181 finden in den Niederlanden Asyl. Der notdürftig umgebaute HAPAG-Frachter Rhakotis nimmt die 224 für Frankreich und 287 für Großbritannien bestimmten Passagiere auf. Unter ihnen sind auch die Heldenmuths. Sie haben Bekannte und Verwandte in England und erhalten deswegen dort Asyl. Zunächst wird Bologne angelaufen, dann Southhampton.