ZEIT ONLINE: Glückwunsch, Herr Stanislawski. Sie haben als Bester von 24 Absolventen den 55. Fußball-Lehrer-Lehrgang bestanden.

Holger Stanislawski: Danke, wenn ich geahnt hätte, was alles auf mich zukommt, wäre ich leichter Zweiter geworden. Mein Auto wurde beklebt mit der Aufschrift: Fußball-Lehrer 2009. Hinten wurden Dosen angebunden, als ob ich geheiratet hätte. Bei meinen Profis heiße ich jetzt nur noch: Cheftrainer mit Auszeichnung. Und in Ahlen, meinem ersten Spiel mit Zertifikat, wurde ich von den gegnerischen Fans gefeiert: Als der Bus ankam, haben alle applaudiert und Glückwunsch gerufen.

ZEIT ONLINE: War Ihnen das nicht unangenehm?

Stanislawski: Das war schon ein komisches Gefühl, so fühlt man sich vermutlich bei der Oscar-Verleihung. Wenn man aus der Limousine steigt und über den roten Teppich geht. Die Punkte aus Ahlen wären mir lieber gewesen als der Applaus.

ZEIT ONLINE: Beim FC St. Pauli werden alle wichtigen Ereignisse auf T-Shirts gedruckt. Typisch wäre jetzt eines mit: "Stani, Fußball-Lehrer-Gott".

Stanislawski: Das muss wirklich nicht sein. Ich bin froh, dass die Zeit vorbei ist. Hinter uns liegen 980 Unterrichtseinheiten, ein neunwöchiges Praktikum, 43 Vorträge von Gastreferenten. Für den Fußball-Lehrer bin ich über 40.000 Kilometer gefahren, einmal um die Welt. Ich stand fast immer im Stau auf der A1, von Köln nach Hamburg, einmal vier Stunden lang. Von Bremen bis Hamburg ist durchgehend Baustelle, da kenne ich jede Unebenheit, jedes Loch. Du willst nach Hause und darfst nur Tempo 60 fahren, es ist zum Verrücktwerden.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie im Auto gemacht?

Stanislawski: Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Was ist im Lehrgang los, was kannst du gebrauchen, was nicht? Was musst du noch tun? Was ist beim FC St. Pauli los? Da wird das Auto zum Büro. Ich habe viele Gespräche geführt und auch den einen oder anderen Transfer angeschoben.

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