Lange Zeit war die Pleite eines großen Autoherstellers kaum vorstellbar. Zwar mussten einzelne Unternehmen wie Rover in Großbritannien aufgeben. Und regelmäßig gab und gibt es zyklische Schwankungen der Nachfrage. Aber nie war eine Krise so tief und so lange, gleich mehrere Autobauer in den Untergang zu reißen.

Das ist nun anders. In den USA hat sich bereits Chrysler unter den Schutz des Insolvenzrechts geflüchtet. In Schweden traf es Saab. Und auch deren Mutterkonzern General Motors wackelt bedenklich, auch wird die Insolvenz in den nächsten Wochen erwartet – mit nicht absehbaren Folgen für die deutsche Tochter Opel, um deren Rettung sich die Bundesregierung intensiv bemüht.

Neben den Herstellern haben auch die Händler Grund zur Sorge. Denn obwohl ihnen die Abwrackprämie zuletzt gute Geschäfte beschert hat, stehen viele von ihnen vor Risiken, die sich wohl erst in den kommenden Monaten vollends zeigen werden. Vor allem die Kalkulationen bei den Leasingverträgen in den vergangenen Jahren halten Experten und Branchenverbände für eine solche Gefahr: Um den Kunden niedrige Leasingraten bieten zu können, wurden die Restwerte in den Berechnungen oft mit Beträgen angesetzt, die sich jetzt in der Krise als viel zu hoch erweisen.

Besonders trifft das die großen Modelle der Premiumanbieter. Zum einen werden sie besonders häufig als Geschäftsfahrzeuge geleast. Zum zweiten sind gerade hier in den letzten Monaten die Gebrauchtwagenpreise stark gefallen. Häufig können Händler deshalb im Wiederverkauf für sie viel weniger Geld erzielen, als sie vorher kalkuliert hatten.

Aber was bedeutet es für Autokäufer, wenn Hersteller oder Händler Insolvenz beantragen müssen? Paradoxerweise trifft den Kunden eine Pleite des Händlers in der Regel härter als der Ruin eines Autobauers. Denn Kaufverträge werden mit dem Autohaus abgeschlossen, nicht mit dem Hersteller. So trifft die Pleite eines Händlers den Kunden zum Beispiel dann, wenn er bereits einen Vertrag unterzeichnet und eine Anzahlung geleistet hat, der Wagen aber noch nicht ausgeliefert wurde. "Der Insolvenzverwalter hat dann zwei Möglichkeiten", erläutert Helga Zander-Hayat von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Er kann den Vertrag erfüllen oder auch nicht." Entscheidet er sich für zweiteres, geht die Anzahlung in die Insolvenzmasse ein. Der Kunde kann nur darauf hoffen, am Ende des Verfahrens einen Teil des Geldes zurück zu bekommen. Sicher ist das aber nicht. Experten raten daher dazu, erst dann zu zahlen, wenn Papiere und Schlüssel übergeben werden.

Umgekehrt berechtigt die Insolvenz eines Autohauses aber den Kunde nicht, ohne weiteres von einem Kaufvertrag zurückzutreten. Nur dann, wenn der Händler mit der Lieferung des Wagens in Verzug kommt und auch nach einer gesetzten Frist das Auto nicht beschaffen kann, darf der Kunde den Vertrag stornieren. Oder dann, wenn der Kauf über den Händler finanziert wurde und der Vertragsabschluss noch keine zwei Wochen her ist. Dann gilt die ganz normale Rücktrittsfrist.