Zu viele Anleger treffen ihre Entscheidungen an der Börse nach Mustern, die in der Vergangenheit die Kurse prägten. Das geht nicht immer gut. Etwa im Oktober des vergangenen Jahres, als vor allem erfahrene Investoren sich schwer verschätzten. Sie kauften Aktien, weil die Stimmung am Boden war und auch technische Indikatoren ein düsteres Bild zeichneten. Schlimmer könne es nicht mehr werden, dachten sie: Von nun an müsse es aufwärts gehen, denn in der Vergangenheit war es häufig so gewesen.

Im Jahr 2008 aber fielen die Kurse weiter, weil die äußeren Umstände besonders waren. Den Banken ging es schlecht – Lehman war gerade Pleite gegangen – , die Hedge Fonds steckten in der Klemme, die Anleger zeigten wenig Risikobereitschaft. Das ergab eine Gemengelage, die wohl zuletzt 1929 so bestanden hatte. Die große Krise wäre repräsentativ gewesen für 2008, nicht aber die kleineren Krisen der vergangenen 30 Jahre.

Derzeit scheinen die Anleger so schockiert von den Verlusten der jüngsten  Monate, dass sie sich verhalten wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange. Sie entscheiden einfach gar nichts mehr und verpassen so Gelegenheiten, die sie besser genutzt hätten. "Pain Trade" wird so etwas auch genannt.

Das betrifft zum einen die Aktionäre, deren Depot sehr stark an Wert verloren hat. Sie schauten wie in Trance zu, als die Aktienmärkte immer neue Tiefstände erreichten. Im schlechtesten Fall ignorierten sie die Abwärtsbewegung lange, nur um kurz vor dem Erreichen des tiefsten Kursstandes doch noch die Nerven zu verlieren und zu verkaufen. Andere trauten sich schlicht nicht, ihr Geld rechtzeitig wieder in Aktien zu stecken.

Anleger beider Gruppen laufen derzeit den Kursen eher hinterher. Derweil sind die breiten Indizes teilweise mehr als 30 Prozent gestiegen. Eine Korrektur wäre eigentlich überfällig, doch bislang blieb sie aus. Zu groß ist die Zahl der Anleger, die sich mit dem Vorsatz tragen, die nächste Gegenbewegung zum Wiedereinstieg zu nutzen. Jedesmal, wenn nur ein kleiner Teil von ihnen ihr Vorhaben in die Tat umsetzt, werden die Kurse wieder stabilisiert.