Deutschlandkarte - die Analyse

Der Egon Erwin Kisch-Preis, 1977 begründet von stern- Chef Henri Nannen, ist der bedeutendste deutsche Reportagepreis. In unserer Redaktion hielt sich eine Vermutung: Die meisten Preisträger kommen aus dem Ruhrpott. Wer in der Kindheit Männer sah, die morgens mit finsteren Mienen in Bergwerke einfuhren und abends schmutzig zurückkehrten, dachten wir, entwickelt leichter ein Gespür für die großen sozialen Dramen als jemand aus, sagen wir, Baden-Baden.

In Wirklichkeit sind die Kisch-Preisträger (zu denen sich am 8. Mai ein weiterer gesellen wird) so ziemlich überall aufgewachsen, in großen wie kleinen Städten, quer übers Land verteilt (Frankfurt am Main jedoch brachte nie einen großen Reporter hervor). Auch der Osten ist gut repräsentiert, obwohl der Preis die ersten 13 Jahre ein westdeutscher war. Nach der Wende lagen die großen sozialen Dramen im Osten. Vielleicht beförderte auch die Freude, frei schreiben zu dürfen, die Qualität des Schreibens.

Redaktion: Matthias Stolz; Rechercher: Christian Heinrich und Nina Pauer