Es war eine eindrucksvolle Vorstellung, die die FDP auf ihrem Parteitag in Hannover geboten hat. Keine andere Partei in Deutschland tritt derzeit so geschlossen auf. Das Wahlprogramm wurde am Sonntagnachmittag nicht nur einstimmig und ohne Enthaltung verabschiedet. Es ist auch fest im kollektiven Parteibewusstsein verankert. Anders als bei CDU, SPD, Grünen oder Linken weiß jeder FDP-Funktionär in Deutschland, was seine Partei will: nämlich die Steuern senken. Fragt man dagegen zehn Christdemokraten oder Genossen, wofür ihre Partei zuvorderst steht, erhält man zehn verschiedene Antworten.

Beeindruckend auch wie unangefochten Guido Westerwelle an der Spitze der FDP steht. Bei seiner vierten Wiederwahl wurde er diesmal mit über 95 Prozent bestätigt, sein persönliches Rekordergebnis. Das sind fast kommunistische Zahlen. Weder Merkel noch Steinmeier, weder Lafontaine noch Trittin schlägt ein solch großes Vertrauen der eigenen Anhänger entgegen wie dem FDP-Chef.

Fast schon anbiedernd wirkte es, wie die Delegierten ihrem Vorsitzenden für dessen "große Rede am Freitag" dankten. Dabei hatte er gar nicht viel Neues gesagt. Auch die Landeschefs der FDP schwören auf Westerwelle: Die Martin Zeils (Bayern), Jörg-Uwe Hahns (Hessen) und Andreas Pinkwarts (NRW) kamen alle erst in den letzten Jahren an die Spitze, nach Westerwelle. Sie wissen, dass er es ist, der die Säle füllt. Und sie wissen, dass er ihnen rhetorisch um Längen überlegen ist.

Und beeindruckend sind auch die nackten Ergebnisse der Westerwelle-FDP. War die Partei im Jahr 2000 nur noch in fünf Landtagen vertreten, ist sie es heute wieder in zwölf. Zuletzt hat sie bei fast jeder Landtagswahl beachtlich dazu gewonnen. Die Zahl der Mitglieder steigt, leicht, aber kontinuierlich. Und, nicht zuletzt gibt es da seit geraumer Zeit dieses bundesweite Umfragehoch. Im März sahen die Demoskopen die FDP bei 18 Prozent, bei der Zahl also, die sie zum Anfang der Ära Westerwelle als kühne Zielmarke ausgegeben hatte.

Zusammengefasst: Ein unumstrittener Parteichef, ein stringentes Programm, Erfolg bei den Wählern – mehr braucht eine Partei eigentlich nicht. Kein Wunder, dass die FDP sich derzeit gern selbst feiert. Und dazu die exquisitesten Locations wählt: In Hannover schmiss sie Partys in den schloss-ähnlichen Herrenhäuser-Gärten und im Elefantengehege des Hannoveranischen Zoos.

Aber es sind just diese Faktoren, die zu ihrem Erfolg beitragen, die sich bald gegen sie richten könnten.

Da ist zunächst das Programm, das jeder Jungliberale im Schlaf aufsagen kann. Der Steuer-Senken-und-Bürokratie-Abbauen-Rap. Dass ihn jeder beherrscht, heißt nicht, dass er auch von allen mit gleicher Leidenschaft vorgetragen wird. Nicht von ungefähr wurde in Hannover jeder Wortbeitrag von Philipp Rösler frenetisch bejubelt. Niedersachsens junger Wirtschaftsminister hat Westerwelle in Hannover, nicht zum ersten Mal, für die einseitige Ausrichtung der FDP leicht kritisiert. Auch andere warnen davor, dass die FDP zur "Ein-Themen-Partei" degeneriere.