Mit Blick auf das riesige Finanzloch im Bundeshaushalt hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) jegliche Steuersenkungen bis 2013 ausgeschlossen. Die Union peilt jedoch eine Entlastung bei der Einkommensteuer und für Unternehmen an. Nun äußerte sich auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Welt am Sonntag dahingehend, dass ein "Weiter so" in der Steuer- und Abgabenpolitik ein "verheerendes Signal" sei.

Reformiert werden müsse vor allen Dingen die kalte Progression. "Wenn wir da nicht handeln, wird irgendwann jeder gut verdienende Facharbeiter mit dem Spitzensteuersatz belastet", sagte er. "Das ist nicht nur ungerecht und demotivierend, sondern auch ein völlig falsches Rezept in der Krise."

Kalte Progression meint, dass Lohnsteigerungen wegen des Verlaufs des Steuertarifs überproportional von der Steuer aufgefressen werden. Mehrere Unionspolitiker sowie CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sich dafür ausgesprochen, die kalte Progression zu ändern. Guttenberg erklärte, dass dieses "vergleichsweise zeitnah" geschehen könne.

Auch die FDP will sich mit ihrer Forderung nach einer schnellen und radikalen Steuerreform im Bundestagswahlkampf profilieren. Ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem sei "das beste Konjunkturprogramm, das man machen kann", sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel am Samstag beim Bundesparteitag in Hannover.

Die Steuerreform mit Entlastungen von Bürgern und Unternehmen in Höhe von etwa 35 Milliarden Euro ist zentraler Punkt des Wahlprogramms der FDP. Die rund 660 Delegierten berieten den Entwurf am Samstag. Er soll an diesem Sonntag verabschiedet werden.