Gelangt das Gift ins Blut, ist es aus. Die Gefäße des Opfers weiten sich und der Blutdruck nimmt rapide ab. Wie im Schock verhält sich das vergiftete Lebewesen, kämpft mit Krämpfen und Lähmungen. Schließlich versagt der Körper seinen Dienst und der Tod setzt ein.

Diese letzten Momente der Laborratten des Biochemikers Brian Fry von der Universität Melbourne in Australien belegen erstmals, wie die größten lebenden Echsen ihre Beute zur Strecke bringen.

Komodowarane (Varanus komodoensis) werden oft als archaische Drachenwesen beschrieben. Kein Wunder, denn ihre mit Hornplättchen übersäte Haut und ihre Kopfform ähneln den Fabelwesen sehr. Die Echsen können bis zu drei Meter lang werden und sie kommen nur auf einigen Inseln Indonesiens vor.

Wenige tausende Exemplare der Tiere leben hier und Forscher rätseln seit langem, wie die Warane auf Beutefang gehen. Bislang dachte man, dass die Tiere ihre Beute mit Bakterien aus ihrer Mundhöhle erlegen. Die Mikroorganismen würden, so die Theorie, gefährliche Entzündungen in den Opfern auslösen. Die mit den Krankheitserregern verseuchten Tiere siechen anschließend meist stundenlang dahin.

Eine solche Sepsis kann allerdings bis zu drei Tage andauern, ehe sie tödlich wird. Kein wirklich effizientes Jagdverhalten. Zudem greifen die Riesenechsen neben Reptilien, Vögeln und kleineren Säugetieren auch Lebewesen an, die größer und kräftiger gebaut sind als sie selbst. Es gibt Berichte, dass selbst Wildschweine, Hirsche und Pferde den Drachen zum Opfer fallen.

Auch die wenigen Beobachtungen jagender Echsen zeichnen ein Bild, das dem giftigen Bakteriencocktail widerspricht. So starben die Opfer der Tiere meist schnell, nachdem sie der Waran gebissen hatte.

Komodowarane können Opfer erlegen, die um eine Vielfaches größer und schwere sind als sie selbst © Chris Kegelman/​PNAS

Bryan Fry und seine Kollegen untersuchten nun erstmals Kopf und Gebiss der Tiere im Kernspintomografen. Sie fanden Erstaunliches: Zwar besitzen die Warane durchaus scharfe Zähne, ihre Bisskraft sei allerdings schwächer als die eines Krokodils. Auch die Mundflora der Echsen sei kaum gefährlicher als die vieler Raubtierarten, berichten die Forscher im Magazin der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS). "Löwen haben eine größere Menge an Bakterien im Maul", sagt Fry.