Einen Moment lang stockt den Zuschauern dann doch der Atem, wenn die Hakenkreuzfahnen ausgerollt werden, wenn die Chorus Line im Stechschritt paradiert und am Kopf der Showtreppe Adolf Hitler erscheint. Der Reichsadler spannt seine Schwingen über die gesamte Bühnenbreite, Trompeten schmettern, ein prachtvolles Spektakel schnurrt ab, ganz wie weiland in Nürnberg. Fast meint man, Leni Riefenstahls knöchrige Finger zu hören, die vor Begeisterung gegen den Sargdeckel pochen.

Und doch geht es in Mel Brooks’ Musical The Producers gar nicht um die Nazis. Sondern nur darum, wie man, pardon, aus Scheiße Gold macht. Dazu nämlich ist dem alten Broadway-Hasen Max Bialystock absolut jedes Mittel recht. Wenn sich der Vorhang hebt, hat er gerade Shakespeares Hamlet zu einer Show verwurstet. Die ist zwar ein Flop, doch als ihm sein Steuerprüfer Leo Bloom vorrechnet, dass sich mit einem Misserfolg viel mehr Geld verdienen lässt als mit einem Hit, will er das krumme Ding sofort drehen.

Der an seinem Namen unzweideutig als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer identifizierbare Bialystock macht sich auf die Suche nach dem schlechtesten Textbuch aller Zeiten – und wird bald fündig. Dass es sich bei Frühling für Hitler um die Führer-Verherrlichung eines Altnazis handelt, stört den Geschäftsmann wenig. Ebensogut hätte das Stück Stalin oder den Papst lächerlich machen können. Hauptsache, die Chose wird ein Reinfall.

The Producers ist ein Stück über die Skrupellosigkeit der Entertainment-Macher, ein böser Blick hinter die Kulissen des Showbusiness. Seit 2001 läuft die Bühnenversion von Brooks’ Filmklassiker am Broadway. Die deutschsprachige Erstaufführung des satirischen Meisterwerks, die 2008 in Wien herauskam, ist seit Sonntag nun im Admiralspalast zu sehen.