So naheliegend ist die Idee, und doch wurde sie in der Vergangenheit immer wieder verworfen: die Fusion von Karstadt und Kaufhof, den letzten beiden Kaufhausketten Deutschlands. Nun könnte sie tatsächlich umgesetzt werden. Der Düsseldorfer Metro-Konzern will die 120 Karstadt-Filialen übernehmen und mit der Tochter Kaufhof verschmelzen. Heraus käme eine "Deutsche Warenhaus AG". So taufte bereits der gescheiterte Chef von Karstadt-Quelle, Wolfgang Urban, das Fusionsprojekt, als er 2003 über eine Vereinigung der beiden Warenhaus-Riesen nachdachte.

Der Vorteil einer solchen Lösung: Die Warenhäuser würden nicht mehr um die wenigen deutschen Kunden konkurrieren. Und der Steuerzahler käme auch besser weg. Derzeit gehört Karstadt noch dem Unternehmen Arcandor. Karl-Gerhard Eick, der Chef Arcandors, wollte eigentlich in dieser Woche 650 Millionen Euro Bürgschaften des Bundes für künftige Kredite beantragen. Der Metro-Chef Eckhard Cordes verspricht hingegen, die Verschmelzung der beiden Kaufhausketten ohne Staatshilfen vollziehen zu können.

Doch einige Unklarheiten bleiben. ZEIT ONLINE beantwortet die sechs wichtigsten Fragen zu den Fusionsplänen: 

1. Wie sähe der Zusammenschluss genau aus?

Metro will Karstadt nicht kaufen. Stattdessen will man sich an einer eigenständigen Gesellschaft beteiligen, an der Metro und Arcandor große Minderheitenbeteiligungen halten – die Rede ist von jeweils 49 Prozent. Die restlichen Anteile sollen bei den Banken und den Besitzern der Karstadt-Immobilien liegen. Gut für Metro: So muss das Unternehmen nicht die Schulden von Karstadt in Höhe von zwei Milliarden Euro schultern. Stattdessen kann Metro-Chef Cordes das schwache eigene Kaufhaus-Geschäft in die neue Gesellschaft einbringen und wäre es los. Gelingt die Sanierung, könnte die "Deutsche Warenhaus AG" an der Börse verkauft werden.

2. Eine Fusion mag Karstadt vorerst retten – aber ist sie auch sinnvoll?

Karstadt verbrennt derzeit Geld, viel Geld. Jeden Monat verliert das Unternehmen rund 40 Millionen Euro, schätzen Experten. Karstadt ist also alles andere als ein Schnäppchen für Metro und müsste aufwendig saniert werden. Dennoch glaubt Thilo Kleibauer, Analyst bei der Privatbank MM Warburg, dass "ein Zusammengehen durchaus Sinn ergeben würde". Weil es heute in fast jeder größeren Stadt eine Kaufhof- und Karstadt-Filiale gibt, könnte das neue Gemeinschaftsunternehmen die Zahl der Geschäfte deutlich verringern und so die Kosten senken. Schon im Jahr 2007 kamen die Autoren einer Commerzbank-Studie zu dem Schluss, dass in einer "Deutschen Warenhaus AG" am Ende nur die Hälfte der 250 Filialen überleben. Das würde auch die Einkaufszonen deutscher Innenstädte verändern.

3. Wie viele Arbeitsplätze sind durch eine Fusion bedroht?

Das lässt sich nur schwer schätzen: Kaufhof beschäftigt in Deutschland 25.000 Mitarbeiter, Karstadt 30.000. Es ist anzunehmen, dass Tausende dieser Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, wenn die beiden Ketten sich zusammenschließen. Die Metro lässt bislang offen, wie viele Filialen sie schließen und wie viele Jobs sie streichen will. Allerdings: Auch das Sanierungskonzept von Arcandor-Chef Eick sieht Stellenkürzungen und die Schließung von Filialen vor. Bitter wird es für die Beschäftigten auf jeden Fall.