Sie kommen mit Schnellbooten, entern Handelsschiffe mit  selbstgebauten Haken, stürmen an Bord und nehmen die Besatzung als Geiseln. Die somalischen Piraten greifen fast täglich Schiffe an. Deswegen gehören der Golf von Aden und der Indische Ozean vor der ostafrikanischen Küste zu den gefährlichsten Gewässern der Welt. Auch die dutzenden internationalen Kriegsschiffe konnten bisher der Piratenangriffe nicht Herr werden. Dennoch spricht der Kommandant der EU-Mission "Atalanta" von einem Erfolg.

"Wir konnten alle Schiffe, die wir begleitet haben, vor den Piraten schützen", sagte der britische Admiral Philip Jones. Er präsentierte gestern eine Halbzeitbilanz der Mission. Das Mandat des Einsatzes läuft Ende des Jahres aus. Jones Amtszeit endet im Juni, dann wechselt die Kommandoführung.

Der Admiral reagierte auch auf die Kritik von Reedern und Politikern, dass das Militär zu wenig tue. "Es gibt immer noch eine große Zahl von Angriffen", sagte Jones. Aber die Zahl der erfolgreichen Überfälle gehe zurück. Die Piraten griffen nur Handelsschiffe an, die alleine oder in Konvois ohne militärischen Begleitschutz unterwegs seien, sagte Jones. Die Seeräuber seien bereit 39 Mal erfolgreich gewesen, seitdem die Atalata-Schiffe vor Somalia kreuzen. Unter den entführten Schiffen sind auch vier deutsche Frachter.

Das Internationale Marine Büro in Kuala Lumpur, das Reedereien über Piratenangriffe informiert, verzeichnete in diesem Jahr  mehr Attacken vor Somalia als in 2008 insgesamt: Im vergangenen Jahr griffen die Piraten 111 Schiffe an, seit Januar 2009 ereigneten sich bereits 114 versuchte Enterungen. 29 Schiffe wurden in diesem Jahr in der Region entführt, 2008 waren es 42.

Die europäischen Kriegsschiffe könnten nicht alle Handelsschiffe beschützen, die durch den Golf von Aden fahren. "Wir bräuchten dafür Hunderte Kriegsschiffe", sagte Jones. Durch den Golf führt eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt: Sie verbindet durch den Suez-Kanal den Indischen Ozean mit dem Mittelmeer. Die Mitglieder der Europäischen Union haben gemeinsam sieben Fregatten an das Horn von Afrika entsandt, zwei Kriegsschiffe davon stellt die deutsche Marine. Hinzu kommen Versorgungsschiffe, Hubschrauber und Aufklärungsflugzeuge. Die Mission "Atalanta" muss ein Gebiet abdecken, das so groß ist wie das Mittelmeer.

Dennoch zeigten die Kriegsschiffe in der gesamten Region Präsenz, sagte Jones. Europäische Soldaten hätten 52 Piraten festgenommen und zahlreiche Angriffe mit Bordhubschraubern und Fregatten vereitelt. Die festgesetzten Seeräuber bringen die Fregatten nach Mombasa. Kenianische Gerichte entscheiden dann über das Strafmaß. Politiker und Menschenrechtsgruppen in ganz Europa kritisieren diese Praxis, weil weder die kenianischen Gerichte noch die Gefängnisse einen westlichen Standart hätten.

Admiral Jones kündigte deswegen an, weitere Länder in Ostafrika zu suchen, die Piraten aufnehmen. Die Seychellen hätten bereits zugestimmt.