Es sollte ein Tag des Ausgleichs werden, doch dann kam alles anders. Der VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch brüskierte nicht nur die Partner in Stuttgart-Zuffenhausen, indem er einer Sitzung des Porsche-Kontrollgremiums fernblieb. Der Konzern in Wolfsburg sagte auch noch ein für Mittwoch vorgesehenes Gespräch zur künftigen Zusammenarbeit der beiden Autohersteller ab.

Bei einer Aufsichtsratssitzung im Porsche-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach, an der auch der engste Kreis der Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch teilnahm, sollte die Rückkehr an den Verhandlungstisch erreicht werden. Das Treffen wurde von massiven Protesten von rund 6500 Porsche-Beschäftigten begleitet.

 

Porsche zeigte sich am Montag gut aufgestellt – auf neue Kredite wollen die Stuttgarter vorerst verzichten: Porsche dementierte einen Bericht der Bild-Zeitung, wonach das Unternehmen bis Ende dieses Monats eine Milliarde Euro benötige. "Wir haben kurzfristig keine Refinanzierungsprobleme", sagte ein Sprecher. Bis März kommenden Jahres bestehe kein Refinanzierungsbedarf.

Porsche verhandele dennoch weiterhin über die Erhöhung seiner jüngst vereinbarten Kreditlinie über zehn Milliarden Euro um weitere 2,5 Milliarden für allgemeine geschäftliche Zwecke.

Porsche rechtfertigt sich inmitten eines unternehmerischen Kleinkriegs um die Form der künftigen Zusammenarbeit mit Volkswagen. VW wirft dem Porsche-Management vor, nicht ernsthaft und konstruktiv die Verhandlungen über den gemeinsam vereinbarten Zusammenschluss der beiden Autohersteller voranzutreiben. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte dann vor einigen Tagen die Kreditwürdigkeit der Stuttgarter angezweifelt und die Zukunft von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking infrage gestellt, was für Ärger sorgte.

In dem Konflikt behalten die Stuttgarter ein wichtiges Druckmittel in der Hand: Porsche bekräftigte zwar, dass der Sportwagenbauer derzeit nicht beabsichtige, vorhandene Kauf-Optionen auf VW-Aktien aufzulösen. Wenn Porsche seine auf 20 Prozent an VW geschätzten Optionen an einen anderen Investor übertragen würde, würde sich die Eigentümerstruktur des Wolfsburger Konzerns maßgeblich verändern, wird an der Börse spekuliert. VW bekäme neben dem Land Niedersachsen einen dritten Großaktionär.