Mehrere SPD-Politiker kritisierten die Pläne der Unionsparteien, die Steuern nach der Wahl zu senken. Der Chef der Sozialdemokraten, Franz Müntefering, sagte, es gebe angesichts der zu erwartenden Ausfälle bei den Staatseinnahmen keinerlei Spielraum für niedrigere Steuern. "Jeder, der das im Moment spekuliert, geht an den Realitäten vorbei. Es wird keine großen Steuererhöhungen und keine großen Steuernachlässe geben können in den nächsten Jahren", sagte Müntefering im Deutschlandradio.

Mit Blick auf den möglichen Koalitionspartner FDP sagte Müntefering, er glaube, sie würden "zum guten Schluss ganz realistisch umgehen mit dieser Entwicklung bei den Steuern". "Nicht ganz so ernst" nehme er die Forderung der CSU, die Steuern drastisch zu senken.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kritisierte in der Leipziger Volkszeitung Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn sie in der Wirtschaftskrise Steuergeschenke verspreche, sei dies entweder Wählertäuschung oder zeuge von "finanzpolitischer Verantwortungslosigkeit". Falls die Wirtschaft wieder wachse, müssten die Mehreinnahmen zum Schuldenabbau verwendet werden.

Auch der SPD-Fraktionschef Peter Struck schloss Steuersenkungen in der kommenden Wahlperiode aus. "Steuersenkungen, die zu weniger Einnahmen des Staates führen würden, sind auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Die Bürger wissen, dass Versprechungen in diese Richtung völlig haltlos sind", sagte Struck der Bild am Sonntag.

Unterdessen geht der Steuerstreit in der Union weiter: Sachsen-Anhalts CDU-Landesvorsitzender Thomas Webel sieht keine Möglichkeit einer raschen Steuerentlastung nach der Bundestagswahl. "Wenn man Steuerentlastungsspielräume hat, dann soll man sie nutzen. Aber wenn man sich die jüngste Steuerschätzung anschaut, glaube ich nicht, dass es vor 2012 Spielräume gibt", sagte Webel.

Der Generalsekretär der sächsischen CDU, Michael Kretschmer, sagte der Leipziger Volkszeitung: "Steuern auf Pump nehmen uns die Wähler nicht ab." Die CDU müsse ihre Politik besser erklären. Dazu gehöre, "dass eine solide Haushaltspolitik zu den Markenzeichen der Union gehört". Der Mittelstandsexperte der Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sieht hingegen Spielräume für Entlastungen: Zum Beispiel könne die Bundesregierung ihr Pläne für eine Mondfahrt im Umfang von einer halben Milliarde Euro aufgeben, sagte er der Zeitung.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sprach sich dagegen dafür aus, die Steuern unabhängig von der Haushaltslage in der nächsten Wahlperiode zu senken. "Wenn der Staat immer Geld übrig haben müsste, um Steuern zu senken, hätte man nie etwas zur Entlastung der Bürger tun könne", sagte der CDU-Politiker dem Hamburger Abendblatt. "Man darf Konsolidierung und Steuersenkungen nicht gegeneinanderstellen. Im Gegenteil: Sie gehören gerade in der jetzigen Situation zusammen."