Mehr als 15.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter in mehreren Bundesländern haben sich am Montag nach Gewerkschaftsangaben an den Streiks in Kindertagesstätten beteiligt. In vielen Städten wie Stuttgart, München, Nürnberg, Düsseldorf, Köln sowie Frankfurt am Main wurde ein Großteil der kommunalen Kitas sowie Jugendhilfeeinrichtungen und Sozialdienststellen bestreikt.

Der am Freitag begonnene Arbeitskampf um einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag für die bundesweit rund 220.000 bei Kommunen angestellten Erzieherinnen und Sozialarbeiter wurde damit auf Bayern und Niedersachsen ausgedehnt.

Weitere Schwerpunkte waren Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen, teilten die Gewerkschaften ver.di und Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit. Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland wurde gestreikt.

Die Verhandlungsführerin der GEW, Ilse Schaad, wandte sich gegen den Vorwurf der kommunalen Arbeitgeber, der Streik sei nicht rechtmäßig. "Sie hätten spätestens nach den Warnstreiks am 6. Mai reagieren und ein konstruktives Verhandlungsangebot vorlegen können", sagte Schaad.

Der Geschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Hartmut Matiaske, hatte den Gewerkschaften vorgeworfen, den Arbeitgebern keine Zeit eingeräumt zu haben, eine Entscheidung in ihren Gremien herbeizuführen. "Das ist der erste Streik, den ich erlebe, wo die Gewerkschaften zu einem Streik aufrufen, ohne dass vorher Verhandlungen stattgefunden haben."

Die Präsidentin des Deutschen Städtetags, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), nannte den Arbeitskampf zum jetzigen Zeitpunkt "völlig unnötig", weil die Arbeitgeber Verhandlungen über den Gesundheitsschutz gar nicht abgelehnt hätten.

Das Arbeitsgericht in Kiel untersagte unterdessen Streiks am Dienstag in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt und Plön. Es folgte einem Antrag der kommunalen Arbeitgeber. Die VKA forderte die Gewerkschaften daraufhin auf, "ihre Streikaktivitäten nun im gesamten Bundesgebiet einzustellen". Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Achim Meerkamp sprach von einer Einzelentscheidung: "Wir sind davon überzeugt, dass unser Arbeitskampf rechtmäßig ist und haben keine Veranlassung, von weiteren Aktivitäten abzusehen." Ver.di werde alle Rechtsmittel ausschöpfen.

Die Beschäftigten würden ihre Streiks auch am Dienstag in ähnlichem Umfang fortsetzen, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft mit. Die Erziehungsgewerkschaft gab sich kämpferisch: "Erzieherinnen sind keine weinerlichen Basteltanten", sagte GEW-Verhandlungsführerin Schaad. "Die Zeiten der 'stillen Helferlein', die man nach Belieben herumschubsen kann, sind endgültig vorbei."