Das hat Barack Obama nicht verdient – und für das Land ist es sogar schädlich: Der neue Präsident regiert ohne Opposition. Natürlich sind die Republikaner, wenn auch in gestutzter Zahl, immer noch da. Sie sind auch nicht verstummt. Im Gegenteil, irgendeiner von ihnen meldet sich ständig zu Wort. Aber diejenigen, die im Augenblick viel reden, sind nicht wichtig. Und was sie zu sagen haben, ist noch unwichtiger.

Es ist auch nicht so, dass Obama durchregieren könnte. Stets muss er den einen oder anderen Republikaner auf seine Seite ziehen. Doch es fehlt das intellektuelle, das inhaltliche Gegengewicht.

Die Partei Abraham Lincolns ist völlig von der Rolle. Und das in einer Zeit, da die Regierung Billionen von Dollar ausgibt, so viel Geld wie noch keine andere Regierung zuvor. Ausgerechnet in einer Zeit, da Amerika völlig umgekrempelt wird – von der Gesundheitsversorgung bis zur Außenpolitik. So notwendig waren Kontrolleure, also eine kräftige Opposition, selten.

Wo sind die neuen Reagans und McCains? Personell und inhaltlich schaut man derzeit in ein großes, tiefes Loch. Einen kurzen Moment lang waren die Republikaner zwar unglaublich stolz. Nachdem die Demokraten mit einem schwarzen Kandidaten die Präsidentschaftswahl gewonnen hatten, konnten sie wenigstens mit einem Schwarzen als neuem Parteivorsitzenden aufwarten. Das war immerhin ein kleiner Coup, wenn auch reichlich verspätet für die Sklavenbefreier-Partei.

Nur haben es die Republikaner leider versäumt, sich ihren neuen Vorturner zuvor genauer anzuschauen. Dann hätten sie vielleicht festgestellt, dass der nicht das Zeug für diesen Job hat. Jetzt haben sie den Salat. Mr. Steele redet sich derart um Kopf und Kragen, dass er einem schon fast wieder Leid tut. Er beschäftigt die Comedyshows wie weiland Sarah Palin.

Inhaltlich herrscht auch Chaos. Seit der herben Wahlschlappe am 4. November wissen die Konservativen nicht mehr, was sie denken sollen. Das liegt vor allem daran, dass sie selber nicht mehr wissen, wer sie sind. Die einen wollen am Liebsten genauso weitermachen wie vor dem 4. November – nur ohne Bush. Die anderen wollen die Partei komplett verändern, für Minderheiten öffnen, sozialer ausrichten, mitfühlender machen. Sie wünschen sich sozusagen die Republikaner als "Democrats light".

Letztere sind in der Minderheit und sie werden, solange es die Obama-Demokraten und die Obama-Republikaner gibt, keinen Boden gewinnen. Aber weitermachen wie bisher ist auch keine Alternative. Die Wähler mögen zwar ein kurzes Gedächtnis haben. Aber so kurz ist es wiederum nicht, dass sie vergessen könnten, wer ihnen die Wirtschaftskrise, Krieg und Folter und den schlechten Ruf im Ausland beschert hat. Die Republikaner!