ZEIT ONLINE: Die Gespräche zwischen VW und Porsche über eine Fusion liegen auf Eis, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch weigert sich offenbar, sie fortzusetzen. Wo liegt das Problem?

Stefan Bratzel: VW und Piëch werfen Wiedeking vor, nicht alle Zahlen offenzulegen, die nötig sind, um über die Modalitäten der Fusion zu entscheiden. Wenn dem so ist, ist das nicht zielführend. Die Situation in der Automobilindustrie ist sehr kritisch: In der gegenwärtigen Wirtschaftslage hängt für ein Unternehmen viel davon ab, ob es günstig an Kredite von Banken kommt, ­ und dazu braucht es alle verfügbaren Informationen. Für die anstehenden Entscheidungen einer möglichen Fusion der Konzerne gilt das erst recht. Piëch und VW müssen auf größtmöglicher Transparenz bestehen.

ZEIT ONLINE: Welche Alternativen hat Porsche?

Bratzel: Es hat eine deutliche Machtverschiebung gegeben, weg von Wiedeking und Porsche, hin zu Piëch, Volkswagen und Winterkorn. Porsche ist fast zum Bittsteller geworden. Das Unternehmen sitzt auf gut neun Milliarden Euro Schulden, trotz der Spekulationsgewinne des vergangenen Jahres. Seit der Lehman-Pleite zögern die Banken, frische Kredite zu vergeben. Porsche hatte große Probleme, von ihnen frisches Geld zu bekommen. Zugleich muss das Unternehmen einen Teil seiner Schulden bald zurückzahlen. Die Fusion mit VW sollte helfen, diese Last zu schultern.

ZEIT ONLINE: Was, wenn sie scheitert?

Bratzel: Porsche könnte versuchen, seine Optionen auf 20 Prozent der VW-Anteile an einen Finanzinvestor zu verkaufen. Für ein Unternehmen wie Volkswagen wäre das relativ unkritisch. Der Autohersteller hat mit den Familien Porsche und Piëch und dem Land Niedersachsen starke Anteilseigner, die ihren Einfluss gut gegenüber Finanzinvestoren geltend machen können. Das ist aber reine Spekulation. Ob ein Investor einsteigen würde, ist völlig offen.

ZEIT ONLINE: Wiedeking und Piëch müssen also versuchen, ihren Konflikt beizulegen.

Bratzel: Vor allem müssen sich die Eigentümerfamilien auf eine weitere Vorgehensweise einigen. Wiedeking muss Entgegenkommen zeigen. Die Autoindustrie ist ohnehin in einer schwierigen Lage, da kann man sich Uneinigkeit und solche Nebengefechte nicht leisten.

Die Fragen stellte Alexandra Endres.