Die Straße von Malakka war vor wenigen Jahren noch, was der Golf von Aden vor Somalia heute ist: Die Meeresgegend mit den meisten Piratenüberfällen auf Handelsschiffe. Die Seefahrtsstraße zwischen der indonesischen Insel Sumatra und Malaysia gilt heute als sicher. Die Zahl der Überfälle hat in dem früheren Piraten-Jagdrevier deutlich nachgelassen – seitdem die Anrainerstaaten gemeinsam die Seeräuber bekämpfen.

Die Meerenge ist eine der wichtigsten Routen der internationalen Schifffahrt. Die Malakka-Straße verbindet den Persischen Golf und den Indischen Ozean mit dem Südchinesischen Meer und dem Pazifik. Zwischen Südsumatra und Singapur ist sie weniger als drei Kilometer breit. Durch das Nadelöhr fahren jährlich mehr als 50.000 Schiffe.

In der Straße von Malakka müssen die Frachter und Tanker langsam fahren. Der Verkehr dort ist sehr dicht, zahlreiche Sandbänke, Riffe, Untiefen und kleine Inseln bilden eine Gefahr für die Schiffe und ideale Verstecke für Piraten. Die südostasiatischen Seeräuber schlugen seit der Mitte der neunziger Jahre immer häufiger zu. Und so geriet die Straße von Malakka in den Ruf, ein kriminelles Bermuda-Dreieck zu sein. Dort verschwanden ganze Schiffe. Die Seeräuber und ihre Hintermänner versahen sie mit neuen Namen und verkauften die Schiffe. Vorher verhökerten sie die Ladung. Die Besatzungen wurden auf einsamen Inseln ausgesetzt oder verschwanden ganz.

Erst eine gemeinsame Strategie von Malaysia, Indonesien und Singapur  führte zu einem deutlichen Rückgang der Überfälle. Das Modell Malakka könnte ein Vorbild für die Piraten-Bekämpfung im Golf von Aden sein. Entwickelt wurde das Konzept vom amerikanischen Admiral Thomas Fargo. Er stellte im März 2004 seinen Plan zum Schutz der Straße von Malakka dem US-Repräsentantenhaus vor. Fargo, damals Chef des US-Pazifik-Kommandos, schlug vor, Geheimdienstinformationen mit den Anrainerstaaten auszutauschen und den Kampf gegen die Seeräuber besser zu koordinieren. Die Abgeordneten stimmten zu und die USA erhöhnten den diplomatischen Druck auf die Länder Südostasiens, energischer gegen die Piraterie vorzugehen.

Entscheidend für den erfolgreichen Kampf gegen die Kriminellen war schließlich die Kooperation zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur. Erst die enge Zusammenarbeit der drei Länder und der politische Wille, das Übel anzupacken, führten zu einem Rückgang der Piraterie. 2004 begannen die drei Staaten massiv mit der Seeräuber-Bekämpfung.

Malaysische Sicherheitsbehörden schulten Polizisten für den Kampf gegen die Piraten und bauten eine eigene Küstenwache auf. Indonesien unterband den Waffenhandel effektiver und bekämpfte Terrorgruppen energischer. Indonesien und Singapur bauten zudem ihre Marine aus.

Im Jahr 2000 hatte das Internationale Marine Büro in Kuala Lumpur noch 75 Überfälle in der Straße von Malakka registriert. Acht Jahre später meldeten Reedereien nur noch zwei erfolgreiche Attacken.

Zum Rückgang der Piraterie hat allerdings auch ein Tsunami im Jahr 2004 beigetragen. Viele Piraten verloren ihre Boote und Waffen, zahlreiche Seeräuber ertranken. Ohne die langfristige Anti-Piraten-Mission in der Region wären die Seeräuber in den Folgejahren zurückgekehrt; doch die Piraterie stieg nicht wieder an. Die Bekämpfung der Seeräuber in Südostasien gilt deswegen als Erfolgsgeschichte und als Modell für andere Regionen.

In den Gewässern vor Ostafrika lässt sich die Strategie schwieriger umsetzen. Somalia ist kein handlungsfähiger Staat, die Übergangsregierung hat in vielen Regionen des Landes keinerlei Macht. Und auch Jemen, das an der Arabischen Halbinsel am Roten Meer liegt, zählt zu den schwachen Staaten. "Die Sicherung des Golfs von Aden kann daher im Vergleich zur Straße von Malakka nur durch internationales Engagement erfolgen", stellt Julia Galaski von der Stiftung Wissenschaft und Politik fest. Lernen kann die Internationale Gemeinschaft dennoch etwas aus dem erfolgreichen Vorgehen in Südostasien.

Denn bei dem Einsatz gegen die Seeräuber am Horn von Afrika fehlt es an Kooperation. Vor Somalia operieren mittlerweile mehr als 20 Kriegsschiffe aus verschiedenen Ländern – eine gemeinsame Taktik gibt es nicht. Die Schiffe aus den USA, der EU, China, Russland, Indien, Iran, Südkorea, Japan, Malaysia koordinieren ihre Einsätze unzureichend.