"Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald. Lasset uns singen, tanzen und springen. Frühling, Frühling wird es nun bald."

Mit diesem Kinderlied begrüßte Hoffmann von Fallersleben einst den Einzug des Frühjahrs in deutschen Landen – symbolisiert doch die Rückkehr des Cuculus canorus aus der Ferne endgültig den Sieg des warmen Wetters über den kalten Winter.

Doch der Ruf des Kuckucks schallt heute immer seltener aus mitteleuropäischen Wäldern und Fluren, denn die Zahl des Brutschmarotzers nimmt seit Jahren ab: Der Naturschutzbund (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz haben ihn deshalb 2008 zum Vogel des Jahres gekürt.

Nicht nur die intensivierte Landwirtschaft raubt ihm Lebensraum und Nahrung, seit einiger Zeit hat er auch mit einem viel komplizierteren Problem zu kämpfen: Der Klimawandel wirbelt die Lebensrhythmen des Frühlingsboten und seiner Wirtsvögel durcheinander, wie eine Studie von Nicola Saino von der Universität Mailand und seinen Kollegen bestätigt [1].

Bei mehr als 100 Vogelarten wendet der Kuckuck seine seit Jahrtausenden bewährte Strategie an: Er platziert sein Ei im fremden Gelege, und nach dem Schlüpfen schiebt das Küken die Konkurrenz der unfreiwilligen Gastgeber aus dem Nest, so dass es anschließend allein versorgt wird.

Allerdings hält Cuculus canorus dafür offenbar einige Wirte, wie Rotkehlchen oder Rohrsänger, für besser geeignet als andere – und damit beginnen seine Schwierigkeiten. Denn auch wenn viele dieser Arten ebenfalls Zugvögel sein mögen, nicht alle verschlägt es wie den Kuckuck gleich bis nach Afrika. Sie überwintern allenfalls einige hundert Kilometer entfernt am Mittelmeer oder in wintermilden Gebieten Deutschlands, Frankreichs oder Großbritanniens.

Wegen der steigenden Temperaturen und des zeitiger einsetzenden Frühlings verlagern beide ihre Heimkehr zunehmend nach vorne – allerdings in deutlich unterschiedlichem Maße: Die fernreisenden Kuckucke, Rohrsänger und Trauerschnäpper kehren lediglich rund sechs Tage früher zurück, die Kurzstreckenflieger wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle oder Grasmücken dagegen um mehr als zwei Wochen.

Sie orientieren sich stärker an den steigenden lokalen Temperaturen als die afrikanischen Überwinterer, deren Heimzug eher von – unveränderlichen – Tageslichtlängen oder der Mauser bestimmt wird. Trifft der Kuckuck hierzulande ein, befinden sich viele seiner Wirtsvögel bereits mitten im Brutgeschäft. Dem Schmarotzer bleibt kaum mehr, als seine eigenen Eier in die Nester seiner "afrikanischen" Schicksalsgenossen zu legen.

Und dieses Terminchaos macht sich nach den Studien von Sainos Team schon bemerkbar. In vielen Regionen Europas nimmt die Zahl der Kuckucke ab – teilweise um bis zu 25 Prozent –, wobei der genaue Anteil des Klimawandels als Auslöser noch nicht ermittelt ist.

Aussagekräftig ist allerdings, wie sehr sich der Brutparasitismus innerhalb der Arten verschoben hat: Bei den früh eintreffenden (oder sogar schon gar nicht mehr abreisenden) Wirtsvögeln hat sich die Zahl der betroffenen Nester halbiert, bei den aus Afrika eintreffenden Langstreckenziehern hat er sich dagegen teilweise mehr als verdoppelt. Sie seien nun überproportional betroffen, weil der Kuckuck auf sie ausweichen muss, sagt Saino – was auf Dauer für deren Zahl ebenfalls problematisch sein könnte.