Opel ist gerettet. In der Nacht zum Samstag haben sich Magna, General Motors und die Bundesregierung geeinigt: Der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna steigt bei Opel ein und bewahrt den deutschen Autohersteller vorerst vor der Insolvenz. In den USA sorgt die Einigung über GM Europa, zu der neben Opel in Deutschland auch Saab in Schweden und Vauxhall in Großbritannien gehören, allenfalls für ein müdes Lächeln.

Hier wartet die Autoindustrie auf die Entscheidung darüber, ob General Motors, der ehemals weltgrößte Autokonzern, wie erwartet am Montag in ein Insolvenzverfahren eintreten wird. Sollte das geschehen, steht den USA ein bisher beispielloses sozio-ökonomisches Experiment bevor, dessen Ausgang niemand voraussagen kann. Die  Autoindustrie ist wie in Deutschland auch in den USA eine Schlüsselindustrie, von der viele andere volkswirtschaftliche Faktoren abhängig sind.

Wie wichtig GM und dem US-Finanzministerium die Verhandlungen mit Magna und der Bundesregierung waren, lässt sich an der Bedeutung  der Verhandlungsführer ablesen, die sie zu den Gesprächen nach Deutschland gesandt hatten. "Ich kann mich nicht an deren Namen erinnern" , sagt Branchenanalyst Karl Brauer, der für das Verbraucherportal edmonds.com arbeitet. "Aber hochrangig waren sie nicht." Wer bei GM und im Finanzministerium wirklich etwas zu sagen hat, wird in diesen Tagen in Detroit und Washington gebraucht." General Motors hat eine lange Liste an Dingen, die vor Beginn des Insolvenzverfahrens erledigt werden müssen" , sagt Brauer. "Da stehen andere Dinge ganz oben."

Oberste Priorität hatte vor allem die Vereinbarung, die General Motors am Donnerstag mit einem Teil der Gläubiger in Absprache mit dem US-Finanzministerium und der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) getroffen hat. Die Gläubiger willigten ein, sich an einem sanierten GM-Konzern zu beteiligen.

Statt darauf zu bestehen, dass General Motors offene Rechnungen von insgesamt 27 Milliarden Dollar begleicht, akzeptiert ein Teil der Gläubiger ein Tauschgeschäft: Sie sollen zehn Prozent der Anteile an einem "neuen" GM-Konzern erhalten, der aus der gerichtlichen Umschuldung hervorgehen soll. Diesen Anteil können sie später über Optionsscheine auf bis zu 25 Prozent ausweiten, so der Deal. Bisher sind rund 35 Prozent der Gläubiger von GM auf den Tausch eingegangen. Die restlichen Gläubiger haben bis Samstagmittag in den USA Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Erst dann läuft die vom Finanzministerium gesetzt Frist ab.

Durch die Einigung mit den Gläubigern wird das Insolvenzverfahren wohl nicht vermieden werden. Jedoch könnte diese Vereinbarung dafür sorgen, dass der Prozess möglichst schnell abgewickelt werden kann. Je länger ein solches Verfahren dauert, desto mehr leidet die gesamte US-Industrie unter der ungewissen Zukunft.

Sollte die Umschuldung scheitern, sind nach einer Hochrechung des Center für Automotive Research bis zu drei Millionen Jobs direkt und indirekt bedroht; einen Teil davon bei General Motors, der Großteil jedoch bei den zahlreichen Händlern und Zulieferbetrieben, die auf GM angewiesen sind. Baut General Motors keine Autos mehr und schreibt deshalb auch keine Aufträge, droht ihnen ebenfalls die Insolvenz.