Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wird immer mehr zur Belastung des deutschen Arbeitsmarkts. Sie sorgte dafür, dass die im Mai sonst übliche Frühjahrsbelebung in diesem Jahr ungewöhnlich schwach ausfällt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren in dem Monat 3,46 Millionen Menschen erwerbslos. Das sind zwar rund 127.000 weniger als im April, aber rund 175.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,4 Punkte auf 8,2 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,8 Prozent gelegen.

Wie die BA einräumen musste, wird die offizielle Arbeitslosenzahl durch eine zum Jahresbeginn in Kraft getretene statistische Änderung erheblich gedrückt. Nach bisheriger Zählung seien im Mai 3,47 Millionen Menschen statt der offiziell genannten 3,46 Millionen arbeitslos gewesen, sagte eine Sprecherin. Der Rückgang würde sich unter der alten Zählweise lediglich auf rund 100.000 belaufen. Grund ist eine Vorgabe der Bundesregierung. Sie hatte sich darauf verständigt, Jobsucher, die von privaten Vermittlern betreut werden, in Zukunft nicht mehr als arbeitslos einzustufen. Dies war von Sozialverbänden heftig als Verzerrung der Statistik kritisiert worden.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise gab sich dennoch optimistisch: Die Frühjahrsbelebung habe den Arbeitsmarkt in diesem Jahr zwar verspätet erreicht, bringe aber  dennoch einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Unter Berücksichtigung aller weiteren Indikatoren des Arbeitsmarktes "darf aber auf keinen Fall von einer Trendwende gesprochen werden".

Diesen Eindruck teilt auch sein Vize und Vorstandskollege Heinrich Alt. Er warnte vor zu großem Optimismus für den Arbeitsmarkt. Besonders für Langzeitarbeitslose sieht es demnach düster aus. Es wäre falsch, zu früh Entwarnung zu geben. "Selbst wenn sich die Konjunktur zu erholen beginnt, müssen wir noch bis weit in das Jahr 2010 hinein mit steigenden Arbeitslosenzahlen rechnen."

Nach Angaben der BA wurde ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit gebremst durch die Inanspruchnahme der Kurzarbeit in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Trotzdem reiche allein diese Maßnahme als Beschäftigungssicherung nicht mehr aus. "Mit dem Verlauf der Krise und den erwarteten steigenden Arbeitslosenzahlen werden wir auch über die Ausweitung anderer Instrumente nachdenken", sagte Alt. Sollten sich Betriebe Kurzarbeit nicht mehr leisten können, würden Entlassungen erwogen. Dann seien Transfergesellschaften ein Weg, die Entlassungen möglichst arbeitnehmerfreundlich zu gestalten.