Überzeugte Atheisten wollen an diesem Samstag in Berlin eine deutschlandweite Bus-Kampagne starten. Ein roter Doppeldecker mit der Aufschrift "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott" rollt bis zum 18. Juni durch 24 deutsche Städte, kündigte Mitorganisator Carsten Frerk am Donnerstag an.

Die Aktion wird mit Spenden in Höhe von etwa 40 000 Euro finanziert. Zuvor hatten es 17 städtische Nahverkehrsunternehmen in Deutschland abgelehnt, die Aufschrift an die Werbeflächen ihrer Busse und Bahnen zu kleben. Gegen diese Form von "Diskriminierung" wollen die Atheisten nun eine Musterklage prüfen, sagte Frerk.

Die Idee eines Busses, der für eine atheistische Weltsicht wirbt, stammt aus Großbritannien. Dort ärgerten sich Nichtgläubige über die Werbung einer christlichen Gemeinschaft, die Atheisten das Schmoren in der Hölle prophezeite. Sie antworteten mit dem Schriftzug "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Also hör auf, dir Sorgen zu machen und genieße das Leben". Auch im katholischen Spanien griffen Atheisten die Idee auf. Diese Aktionen wiederum führten zu heftigen Debatten und Gegenaktionen.

"Beim Thema Religionsfreiheit werden in Deutschland nur die Religionen betrachtet. Es gehört aber auch dazu, nicht zu glauben", erläuterte Frerk die Motivation der sieben deutschen Organisatoren der Kampagne. Nichtreligiöse würden zu wenig zur Kenntnis genommen, sagte er.

In der deutschen Hauptstadt, in der zwei Drittel der 3,4 Millionen Bewohner keiner Religionsgemeinschaft angehören, sorgte der Bus bei einer Probefahrt am Donnerstag für wenig Aufsehen. Freizeitkapitäne winkten von der Spree, Passanten lächelten und Touristen staunten. Provoziert fühlte sich niemand.

Auch die Kirchen bleiben im Gegensatz zu den Aktionen in England und Spanien ruhig. Die Evangelische Kirche Berlins nimmt die Bus-Kampagne mit Humor: "Die Atheisten machen ihrem Namen alle Ehre. Sie denken die ganze Zeit an Gott", sagte ein Sprecher.

"Kein Grund zur Empörung", hieß es auch vonseiten der Berliner Katholiken. "Gott kommt ins Gespräch." Tsp/dpa