Es ist nicht leicht, eine neue Suchmaschine zu beurteilen, sieht man doch nur, was sie findet, aber nicht, was sie nicht entdeckt. Ein wenig aber lässt sich auch in dem erkennen, was sie als Ergebnis auswirft. Was also präsentiert Bing, die neue Suche von Microsoft, dem wissbegierigen Nutzer aus dem WWW? Und ist sie besser als Google, der große Konkurrent, den der Softwareentwickler schlagen will?

Keine Ahnung, denn es gibt so etwas wie "die Suchmaschine Bing" derzeit gar nicht. Eigentlich sollte das bisher unter dem Namen Kumo firmierende Projekt am 3. Juni online gehen, und das ist auch noch immer der offizielle Termin. Doch startete die Seite nun überraschend schon am 1. Juni – zumindest in den USA. In anderen Regionen der Welt war Bing zwar auch erreichbar, doch verbirgt sich derzeit dahinter noch mehr oder weniger die alte Microsoft-Live-Suche, der lediglich das Bing-Layout verpasst wurde.

Das hat zum Start viele Nutzer verwirrt, was nicht der beste Weg ist, ein neues Produkt erfolgreich einzuführen. Zwar lässt sich das in den Einstellungen ändern, und wer als Suchregion USA eingibt, erhält tatsächlich die neue Maschine. Doch nachvollziehbar ist das nicht. Im Technikblog mashable heißt es dazu: "Das ist eine ziemlich seltsame Entscheidung von Microsoft, die bestimmt zu einer Menge Verwirrung  führt, aber hey: So ist Microsoft eben."

Ebenso eigenwillig ist der voreingestellte Prüderiefilter. In der Nicht-US-Version arbeitet ein Zensurmechanismus, der sich weigert, für bestimmte Suchworte Ergebnisse zu liefern. Begründung: Die Begriffe führten möglicherweise zu "sexuell eindeutigen Inhalten". Dass man zum Suchwort "Sex" keinen einzigen Treffer zeigen will, ist gerade noch verständlich. Warum dies aber auch bei "Strumpfhose" der Fall sein muss, erklärt sich nicht unbedingt. Auch nicht, warum die US-Version die Strumpfhose und/oder Pantyhose kennt, selbst bei "strenger" Einstellung des Filters, die deutsche aber nicht.

Bleiben wir bei der amerikanischen Version, also der eigentlichen. Die will gar keine Suchmaschine sein, sondern nach Aussage von Microsoft eine Entscheidungsmaschine. Man wolle Ergebnisse liefern, die Entscheidungen erleichtern. Daher werden die Treffer im besten Fall in Kategorien sortiert und, wenn möglich, sollen dabei beispielsweise Kontaktinformationen oder Preise klar erkennbar sein. Denn derzeit würden noch viel zu viele Ergebnisse nicht das Gesuchte liefern, zeigte Microsofts Suchmaschinenexperte Stefan Weitz vor einiger Zeit bei einer Tagung. Nur einer von vier Suchbegriffen sei erfolgreich, nur 65 Prozent der User anschließend zufrieden. Das will Microsoft ändern.

Bei populären Suchworten wie "Twitter" klappt das auch. Dort stehen dann unter dem ersten Ergebnis Links, die direkt zu Punkten wie "Passwort vergessen", "Kontakt" oder "Anmelden" führen. Doch scheint das bislang nur bei wenigen Begriffen zu funktionieren.

Meist gibt es noch die lange Liste von wohl hierarchisch sortierten Ergebnissen, die wir von Google gewohnt sind. Allerdings werden "ähnliche Suchbegriffe" integriert. Daher stehen am linken Rand Themen und Schlagworte, die etwas mit dem gesuchten Anliegen zu tun haben könnten. Vom Ziel aber zu ahnen, was der Nutzer wirklich will, ist man wohl auch bei Microsoft noch entfernt.