Acht Frauen, acht Männer, acht mal vier Minuten an einem Tisch: Das ist die Konstellation eines typischen Speed-Dating-Abends. Am Ende einer solchen Veranstaltung müssen beide Seiten auf einem Fragebogen ankreuzen, welche der Beteiligten sie gerne wiedersehen möchten. Wie mehrere Studien ergeben haben, bekundeten die Männer grundsätzlich Interesse an mehreren Frauen, während Frauen bei ihrer Wahl deutlich engere Maßstäbe anlegten.

Ähnliche Ergebnisse liefern Studien aus dem Bereich des Online-Datings: Demnach schicken Männer anderthalbmal so häufig Kennenlernmails an Frauen als umgekehrt. Diese Zurückhaltung bei der Partnerwahl liege eben in der Natur der Frau, lautete die bisherige Ansicht der Psychologie. Schließlich trügen Frauen die weit größere Last bei der Fortpflanzung. Kein Wunder also, dass sie bei der Wahl des potenziellen Kindsvaters und Erbgutträgers auch genauer hinschauten.

Alles Unsinn, behauptet nun eine Studie der Northwestern University in Illinois, die in Kürze in der Fachzeitschrift Psychological Science erscheint. Man muss die Frauen nur selbst wählen lassen.

Die beiden amerikanischen Forscher Eli J. Finkel und Paul W. Eastwick, die sich bereits in früheren Studien mit dem Thema Partnerwahl beschäftigt haben, werteten 15 Speed-Dating-Veranstaltungen aus, an denen insgesamt 350 Studenten teilnahmen. In der ersten Runde blieben die Frauen, wie bei solchen Treffen üblich, auf ihren Plätzen sitzen, die Männer wechselten nach den besagten vier Minuten zur nächsten Kandidatin. In dieser Konstellation fanden Männer mehr Frauen attraktiv als Frauen Männer – so wie in den bisherigen Studien.

Als jedoch die Rollen vertauscht wurden und die Frauen um den Tisch rotierten, änderte sich das Resultat plötzlich. Auf einmal waren die Frauen weit weniger wählerisch, während die Männer nun strengere Maßstäbe ansetzten. Im Ergebnis zeigte sich, dass die "Wanderer" - unabhängig vom Geschlecht - mehr Begeisterung für die "Sitzenden" entwickelten als umgekehrt. Sie gaben mit knapp 48 Prozent auch häufiger an, die potenziellen Partner in Zukunft gerne wiedersehen zu wollen. Bei den "Sitzenden" waren es nur 43 Prozent.