Ebenso wenig wegzudiskutieren sind die unterschiedlichen Spielstrategien, die Männer und Frauen in ein und demselben Spiel bevorzugen. Beispiel World of WarCraft: Dort sind immerhin ein Drittel Frauen unterwegs. Aber laut einer Umfrage der amerikanischen Website GamerDNA entscheiden sich deutlich mehr weibliche Spielerinnen für die Fraktion der Allianz; während Männer eher in den gegnerischen Horden spielen. Außerdem steuern Frauen häufiger Figuren wie Paladine, Druiden, Priester und Schamanen, die virtuellen Pendants zu sozialen und heilenden Berufen. Männer hauen lieber ordentlich auf den Putz und versuchen sich als Krieger.

Forscher fahndeten sogar im Gehirn nach Hinweisen auf die unterschiedlichen Strategien. In einer Studie der Stanford University, veröffentlicht im Journal of Psychiatric Research, lagen jeweils elf Männer und Frauen beim Spielen in einem Kernspintomographen. Resultat: In männlichen Hirnen wurde dabei eher das Belohnungszentrum aktiv. Deshalb würden Männer im Spiel stärker erfolgsorientiert handeln, glaubt Allan Reiss, einer der Autoren der Studie. Er schränkte das Ergebnis jedoch auch wieder ein, weil es bei dem untersuchten Spiel vor allem um Raumgewinn ging. Männer fühlten sich hier womöglich stärker motiviert.

Henry Jenkins, ein amerikanischer Medienwissenschaftler vom MIT, hat die unterschiedlichen Spielinteressen von Frauen und Männern kategorisiert. Frauen bevorzugten demnach alltägliche Spielfiguren, keine Superhelden und gaben offeneren Handlungsmöglichkeiten den Vorzug. Erfolg wollen sie durch soziale Kontakte und Beziehungen erreichen. Männer schätzen eine lineare Story, Phantasiehelden mit übermenschlichen Fähigkeiten, Tempo und Action und wollen Erfolg durch das Eliminieren von Gegnern erreichen. Beiden allerdings ging es um Konkurrenz und Wettkampf.

So albern Spiele wie "Mein Pferd und Ich" wirken, sie setzen genau solche Wünsche um. Es geht darin nicht darum, schnell einen Sieg zu erringen. Lob und Anerkennung von Trainer, Freundin und Angehörigen und ein blitzblank geputztes Pony scheinen wichtiger.

Auch Nick Yee vom Palo Alto Research Center befragte Spieler nach ihren Motivationen und fand heraus, dass Männer doppelt so oft die reine Zielerreichung als Motiv für ihr Spiel angaben. Frauen betonten dagegen vor allem soziale Aspekte. Außerdem mögen sie weibliche Helden, Sheroes, wie Laut Rika Nakamura und Hanna Wirman von der Universität of Lapland beschreiben. Leider entspringen selbst die wenigen Heldinnen wie Lara Croft männlichen Fantasien – kein Wunder, sind doch auch die meisten Entwickler Männer.

In Sachen Gewalt sind Frauen allerdings nicht so zimperlich, wie man auf den ersten Eindruck meinen könnte. Selbst wenn sie in einem Spiel die Wahl haben, entscheiden sich Frauen nicht unbedingt für die gewaltfreie Lösung, wie Nakamura und Wirman herausfanden. Das Thema Gewalt aber reizt sie deutlich weniger als Männer.