Ein beliebtes Genre bei YouTube sind Videos von Mädchenspielen wie "Barbie Horse Adventure" – unterlegt mit höhnischen Audiokommentaren von Jungs. Die Spiele machen es ihnen nicht allzu schwer. Nach jedem gelungenen Hüpfer etwa lobt die Computerstimme von "Mein Pferd und ich": "Unglaublicher Sprung!" Das größte Kompliment dort lautet: "Daddy wäre stolz auf dich." Eher unwahrscheinlich, dass Jungs so einen Kommentar hören, wenn sie im virtuellen Raum Blutbäder anrichten. Mama wäre stolz auf Dich?

Was auf den ersten Blick amüsant erscheint, offenbart ein erstaunlich altmodisches Geschlechterbild von verschüchterten Mädchen und selbstbewussten Kerlen.

Einige Menschen mögen glauben, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern rein gesellschaftlich konstruiert sind. Doch eine Gruppe gehört ganz sicher nicht dazu: die Spieleindustrie. Während sie Jungen Zombies, rauchende Reifen oder wenigstens Prügeleien anbietet, hat sie für Mädchen nur puschelige Tierchen, Mode und kicherige Freundinnen vorgesehen. Auch die Farbe Pink darf auf keinem Cover fehlen.

Spieleentwickler sind nicht die Kirche. Sie zementieren Stereotype nicht um ihrer selbst willen, sie wollen damit Umsatz machen und sich neue Zielgruppen erschließen. Der Anteil spielender Frauen liegt in Deutschland laut einer Befragung der Marktforscher von ipsos bei 22 Prozent. In den USA sind es bereits deutlich mehr, laut IBISWorld sind dort bereits 38 Prozent der Spieler weiblich.

"Dass die Frauen jetzt vermehrt zur Game Community dazustoßen, ist ziemlich spannend für uns", sagt Katie Cray, die für Nintendos Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. So sind denn in dem Präsentations-Clip für den neuen Nintendo DSi – dem Topgerät des Herstellers – hauptsächlich Frauen zu sehen; auch wenn mal wieder ein Mann die neue Sprachaufnahme-Funktion demonstriert. Bei der tragbaren Konsole DS liegt der Frauenanteil bereits bei 56 Prozent, weit mehr als bei den meisten anderen Spielkonsolen oder bei PC-Spielen. Ursprünglich war die Konsole nur schwarz oder weiß erhältlich, seit dem vergangenen Jahr gibt es sie auch in rosa und silber. Ubisoft liefert mit seiner "Imagine"-Linie die passenden Titel für die heranwachsende Generation – selbstverständlich nach dem üblichen Strickmuster: "Fashion Designer" oder "Babyz", ein Spiel, in dem die Mädchen "der beste Babysitter des Planeten" werden dürfen.

Umfragen zeigen, dass Frauen tatsächlich anders spielen wollen, vom Babysitten aber berichten sie dort nicht: Sie geben eher Jump'n'Runs (48 Prozent) und Denkspielen (20 Prozent) den Vorzug, während Männer eher zu Actionspielen (30 Prozent) greifen. Und bei den sogenannten Casual Games, dem schnellen Spaß für zwischendurch, stellen Frauen sogar den größten Anteil der Nutzer.

Auch bei den kleinen, billigeren Games finden sich die bekannten Muster. Der weibliche Superstar von "Diner Dash" etwa heißt Flo, und ihre Aufgabe besteht darin, ein fürstliches Abendessen zu organisieren. Offensichtlich ein gefragtes Spielmodell, denn geschätzte 200 Millionen Mal wurde dieses Casual Game für den Preis von 9,95 Dollar schon heruntergeladen.