Es ist das größte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Am Montag beantragte General Motors (GM), einst mächtigster und größter Autokonzern der Welt, bei einem Gericht in New York die Insolvenz. GM ist damit nach Chrysler der zweite große amerikanische Autokonzern, der einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 stellt, um sich zu sanieren.

Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte, der Sanierungsplan sei "glaubhaft und vielversprechend". Das schnelle Insolvenzverfahren des Konkurrenten Chrysler gebe ihm Vertrauen, dass General Motors künftig stärker und wettbewerbsfähiger aufgestellt sein werde. Er machte deutlich, dass er weitere Milliarden an Steuergeldern nur widerstrebend investiere. Dies sei aber nötig um eine Katastrophe abzuwenden, die Millionen von Menschen beträfe. GM-Chef Fritz Henderson sagte, dass Insolvenzverfahren solle binnen 60 bis 90 Tagen abgeschlossen werden. "Das ist nicht das Ende von GM, sondern der Start eines neuen und besseren Kapitels." Die Kunden bat er um eine "neue Chance": "Der GM-Konzern, der zu viele von Ihnen enttäuscht hat, ist Geschichte."

Fortan wird der Staat bei GM das Sagen haben. Die Regierung wird den Konzern komplett umbauen: Elf Fabriken sollen geschlossen werden, drei weitere vorerst still gelegt werden. Medienberichten zufolge sollen weitere Zehntausende Stellen wegfallen. GM würde nach der Sanierung in Nordamerika weit weniger als 100.000 Menschen beschäftigen. Vor zehn Jahren beschäftigte das Unternehmen noch mehr als doppelt so viele Menschen.

Den USA steht mit der GM-Insolvenz ein beispielloses sozio-ökonomisches Experiment bevor, dessen Ausgang niemand voraussagen kann. Die Autoindustrie ist wie in Deutschland auch in den USA eine Schlüsselindustrie, von der viele andere volkswirtschaftliche Faktoren abhängig sind. Scheitert das Verfahren, dürfte das Tausende Angestellte und deren Familien hart treffen. Viele Arbeiter haben ihre Renten und Krankenversicherungen zu einem Großteil über einen firmeneigenen Fonds finanziert. Geht GM endgültig Pleite, bekommen sie kein Geld mehr.

Nicht nur deshalb will die US-Regierung den endgültigen Bankrott des Autokonzerns verhindern. In großer Eile will sie den Umbau des Unternehmens betreiben: In spätestens 90 Tagen soll das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein. Der amerikanische und kanadische Staat übernimmt hierfür 72 Prozent des Konzerns und wird die Sanierung weitgehend finanzieren. Dafür sind 50 Milliarden Dollar vom Steuerzahler nötig. 20 Milliarden Dollar an Staatshilfen hat das Unternehmen bereits erhalten. Wie das Wall Street Journal berichtet, soll der 67-jährige Insolvenzexperte Al Koch die Rettung von GM leiten.

Die Zahl der US-Marken wird auf vier halbiert – erhalten bleiben GMC, Chevrolet, Cadillac, Buick. Für die schwedische GM-Tochter Saab gab es zuletzt noch zwei bis drei mögliche Käufer. Auch der Geländewagenbauer Hummer und die US-Marke Saturn sollen verkauft werden, Pontiac muss sterben. "Während des Insolvenzverfahrens wird GM wie gewöhnlich arbeiten", hieß es aus dem Weißen Haus.

Die Chancen für ein Überleben des Unternehmens waren am Wochenende gestiegen. Am Samstag hatten die Gläubiger von GM – Banken, Fonds und Kleinanleger – den Weg für ein beschleunigtes Insolvenzverfahren frei gemacht. Mehr als 54 Prozent der Besitzer von Firmenanleihen hatten dem Sanierungsplan der US-Regierung zugestimmt. Sie erklärten sich bereit, ihre offenen Forderungen in Anteile am neu formierten Unternehmen umzuwandeln.