Nach Informationen der Bild am Sonntag machte Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den internen Beratungen der Unionsseite während der Verhandlungen am Freitagabend unmissverständlich klar, dass er die Magna-Lösung "für nicht tragfähig" halte und wegen der Risiken für den Steuerzahler "nicht mittragen" werde. Die Bild am Sonntag beruft sich auf Teilnehmer der Runde. Demnach sagte der Wirtschaftsminister, dass Magna null Risiko trage und das Ausfall-Risiko für den Steuerzahler sehr hoch sei. Guttenberg habe die große Koalition "vor einem Weg in die Erpressbarkeit" gewarnt. Dabei sei auch das Wort "Rücktritt" gefallen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihren Minister schließlich davon abhalten können, schreibt die Zeitung. Zur Lösung mit Magna gebe es keine verantwortbare Alternative. Nach Informationen der Zeitung hat das Kanzleramt die Federführung für die weiteren Verhandlungen in Sachen Opel an sich gezogen, die bislang beim Wirtschaftsminister lagen.

Andere Einschätzung der Risiken

Nach den Verhandlungen hatte sich Guttenberg sehr distanziert geäußert: "Ich will sagen, dass in einem sehr schwierigen Abwägungsprozess ... ich persönlich zu einer anderen Einschätzung der Risiken gekommen bin." Damit machte deutlich, dass er die von den anderen Beteiligten gefundene Lösung für finanziell nicht vertretbar hält.

Guttenberg sagte der Zeitung: "Die Brücke für mich war, dass die gesamte Bundesregierung zu einer Gesamt-Einschätzung gekommen ist. In diese Einschätzung ist meine abweichende Haltung mit eingeflossen. Trotzdem kommt es auf eine vernünftige Umsetzung der Ergebnisse an. Daran werde ich mich verantwortungsvoll beteiligen."

Der Vorsitzende des Wirtschafts-Sachverständigenrates, Wolfgang Franz, kritisierte die Rettung des Autobauers Opel mit Hilfe des Staates. "Man sollte Opel besser in einem Insolvenzverfahren retten. Die Käufer sollen entscheiden, wann sie welche Autos kaufen, nicht die Regierung", sagte er dem Tagesspiegel am Sonntag. Das Engagement der Regierung schaffe einen Präzedenzfall. "Dann kommen womöglich viele und wollen gerettet werden. Und niemand könnte ihnen sagen: Dich retten wir, dich aber nicht." Der Staat könne es sich nicht leisten, alle Unternehmen zu retten, die in Schwierigkeiten steckten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück verteidigte das Opel-Rettungskonzept der Regierung trotz aller Risiken. "Ich glaube, dass wir eine richtige Entscheidung getroffen haben", sagte er am Samstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Er habe Vertrauen in das industrielle Konzept des Autozulieferers Magna als Opel-Investor. Deshalb sei es vertretbar, die zugesagten Garantien zu geben.

Nach langem Abwägen sei die Bundesregierung in ihrer Gesamtheit zu der Auffassung gelangt, "dass wir die Eintrittswahrscheinlichkeit des Bürgschaftsfalles geringer einschätzen als umgekehrt das Durchschlagen dieser Risiken". Magna verdiene Vertrauen, "weil die auch mit eigenem Geld dort hineingehen". Er sehe darin auch einen "Lackmustest, wie ehrgeizig die sich da selbst engagieren".

Auf die Frage, ob zu Guttenberg, in der Nacht Rücktrittsgedanken geäußert habe, sagte Steinbrück: "Das kann ich nicht bestätigen. Er hat sich in Anwesenheit von SPD-Vertretern so nicht geäußert."