Der Weg zur ersten Banken-Verstaatlichung in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg ist frei: Dem Bund gelang es mit seiner Stimmenmehrheit auf der außerordentlichen Hauptversammlung des schwer von der Finanzkrise getroffenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) die entscheidende Weiche zu stellen. Mit einer Stimmenmehrheit von 73,95 Prozent wurde eine Kapitalerhöhung von 2,96 Milliarden Euro beschlossen. Damit konnte der Bund seinen Anteil an der HRE von gut 47 auf 90 Prozent erhöhen und kann nun die restlichen Aktionäre herausdrängen.

Damit sei die Enteignung der bisherigen Anteilseigner nicht mehr notwendig, zeigte sich der Chef des staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin), Hannes Rehm, erleichtert. Er kündigte an, dass die 100-prozentige Übernahme durch den Fonds nun wie geplant durchgezogen werde, um die HRE zu retten und die Restrukturierung voranzutreiben.

Rehm, der die Pläne des Staates als "alternativlos" gerechtfertigt hatte, sah sich wie HRE-Chef Axel Wieandt der geballten Wut von 2000 Aktionären ausgesetzt. "Lügner", "Unverschämtheit", "Sauerei", "Aufhören", schrien sie immer wieder in Richtung des Podiums. Anleger und Aktionärsschützer nutzten die Hauptversammlung für eine Generalabrechnung mit dem früheren Management und den Verstaatlichungsplänen der Bundesregierung. "Wenn man mir meine Aktien nimmt, ist das wie in einer Diktatur", sagte ein aufgebrachter Kleinaktionär.

Für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ist es ein Unding, dass die Aktionäre für das Missmanagement der HRE-Führung verantwortlich gemacht werden sollen. "Jetzt müssen wir denen auch noch unsere Aktien geben", rief SdK-Sprecher Harald Petersen unter dem Beifall der Aktionäre. Er bezeichnete die Verstaatlichung als die "schwärzeste Stunde des deutschen Kapitalmarktrechts".

Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bedauerte die Vorgänge: "Wir sind am Anfang des Endes dieser Gesellschaft", sagte sie. "Die Aktionäre begleiten dieses Schauspiel mit einem Gefühl der Resignation und der Wut." Der alte Vorstand unter Georg Funke habe die Bank leichtfertig und fahrlässig gegen die Wand gefahren. "Zocken mit eigenem Geld mag erlaubt sein, aber nicht mit dem Vermögen der Aktionäre."

Die Aktionärsvertreter prüfen nun rechtliche Schritte. "Wir behalten uns alle Maßnahmen vor", sagte Bergdolt. Dabei gehe es neben der Kapitalerhöhung auch um die Zulässigkeit der Redezeitbeschränkungen bei dem Treffen. Ob es Anfechtungsklagen geben werde, sei aber noch nicht entschieden.