Außer der Mafia ist niemand so konspirativ unterwegs wie die M&A-Branche. Die Abkürzung steht für Merger & Acquisitions, also Fusionen und Übernahmen. Das ist ein hochsensibles Geschäft; wenn da zu früh irgendwelche Details oder Verhandlungsstände ans Licht kommen, ist der Deal geplatzt, bevor überhaupt die Gespräche beginnen.

Karl-Theodor zu Guttenberg kommt nicht aus dem Bereich M & A. Er ist Wirtschaftsminister und hat in dieser Funktion die Federführung im Fall Opel. Das ist riskant, denn Guttenberg hat ein herausragendes Kennzeichen: Er redet gern. Und er ist zu einer Zeit ins Amt gekommen, in der diese Angewohnheit besonders gefragt ist: im Wahlkampf.

Nun ist die Nacht der Entscheidung nicht wegen des Wirtschaftsministers ergebnislos geblieben. Jedenfalls nicht nur. Wenn Angela Merkel ein Dutzend Minister und Ministerpräsidenten und die Opel-Investoren einlädt, dann sollten indes die Vorarbeiten so weit erledigt sein, dass der Sack zugemacht werden kann. Doch anstelle der strahlenden Opel-Retterin Merkel mussten im Morgengrauen geplättete Minister der verblüfften Öffentlichkeit erklären, wer da wieder aus dem Sack gesprungen war. Dumm gelaufen. Und nun?

Opel ist kompliziert. Weil die Opel-Mutter General Motors vor der Insolvenz steht und die amerikanische Regierung kurz vor der Übernahme von GM. Weil Opel dringend Staatshilfe braucht. Weil Opel in vier Bundesländern Fabriken betreibt und die dortigen Ministerpräsidenten um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Weil nicht klar ist, wer für Opel und für den deutschen Steuerzahler das bessere Übernahmekonzept hat. Weil offen ist, wer welche Risiken trägt: die Deutschen, die Amerikaner, die Investoren. Und schließlich, weil das ganze Theater eine europäische Dimension hat: GM und Opel haben nicht nur in Deutschland Standorte, sondern ein halbes Dutzend weiterer Länder ist betroffen und besorgt, dass die Deutschen mit den Amerikanern ein Geschäft zu ihren Lasten abschließen.

Der Fall Opel hat also eine unternehmerische und eine politische Dimension. Da beide Ebenen sich ständig durchdringen, ist der Überblick schwierig. Dabei ist zumindest die Ausgangslage vor dem nächsten Lösungsversuch am heutigen Freitag ziemlich einfach: Die Regierungen von Merkel und Obama müssen sich auf ein Treuhand-Modell verständigen, das die neue Opel AG verwaltet und das mit Staatsgeld ausgestattet ist. Am deutsch-amerikanischen Streit um 300 Millionen Euro sollte das nicht scheitern. Sonst dürften sich Guttenberg und seine Kollegen jedenfalls in den nächsten Wochen nicht im Wahlkampf blicken lassen.

Sobald die transatlantische Treuhand in trockenen Tüchern ist, treten die Investoren wieder in den Mittelpunkt. Während unter dem Treuhand-Dach der Betrieb weiterläuft und die Opelaner Autos bauen, kann dann ohne den Zeitdruck der vergangenen Wochen eine vernünftige Wahl getroffen werden. So ist das am Ende von komplizierten Verhandlungen, die schon deshalb kompliziert sind, weil es um viel Geld geht.

Der größte Unsicherheitsfaktor in diesem Prozess ist die Politik. Einmal noch, so möchte man als Freund der traditionsreichen Automarke Opel bitten und betteln, einmal noch reißt euch zusammen in dieser großen Koalition und missbraucht die Firma nicht zur Profilierung im Wahlkampf. Danke.