Es ist angenehm kühl im Keller des Wohnheims der Universität Tel Aviv, in dem die Organisation Chabad eine Studentensynagoge eingerichtet hat. Neonlicht flackert, und es riecht ein bisschen nach Hühnersuppe. In der Küche steht ein bärtiger Mann mit schwarzem Mantel und Hut und öffnet Weinflaschen. Zwischen kahlen Betonwänden stehen lange Tische mit kitschigen Tischdecken und abgewetzte Sessel. In den Vitrinen stehen Gebetsbücher, und in einem massiveisernen Schrank, von Organza verhüllt, verbirgt sich eine Thorarolle.

Der Mann in der Küche ist Rabbi Shaye Gerlitzky. Chabad ist eine aus Osteuropa stammende Strömung des orthodoxen Judentums, ihre Anhänger legen Wert auf die Einhaltung zahlreicher Gebote und Traditionen und sagen von sich: "Unsere Mission ist es, es für jeden Juden auf der Welt einfach zu machen, nach den Vorschriften zu leben", sagt Rabbi Shaye, darunter gehört etwa koscheres Essen und das Ruhen am Schabbat. Aber das Ganze soll auch Spaß machen. Darum lädt Rabbi Shaye jüdische Gaststudenten, die für ein oder mehrere Semester in Tel Aviv studieren, jede Woche zu koscherem Essen ein. "Du bist willkommen, egal wer du bist und ob du ein religiöses Leben führst", sagt er.

Männer und Frauen beten hier durch einen Vorhang getrennt, speisen aber gemeinsam. Es wird geklatscht, gesungen und viel Wodka getrunken. "Traditionell ist das Schabbat-Abendessen eine Familiensache", erklärt Jason Fuentes, Gaststudent aus Miami. Statt alleine zu kochen oder zu einer fremden Familie zu gehen, isst er lieber jede Woche hier mit anderen Studenten aus der ganzen Welt. Auch Rabbi Shaye ist sich der Magie des kostenlosen Essens bewusst, doch er glaubt, die etwa 20 Studenten kämen auch, "weil sie etwas Religion möchten, ein bisschen was für die Seele".

Das suchen auch die Studenten, die zur Veranstaltung "Dollars for learning" kommen. In einem Stuhlkreis sitzen rund 50 Studentinnen. Sie reden, lachen und schaufeln sich Burger, Pommes und Salat auf ihre Plastikteller. Doch es gibt nicht nur kostenloses Essen, sondern auch ein paar Dollar für ihre Anwesenheit. Klar sei das verlockend gewesen, gesteht die Bostonerin Lauren Spivack. Doch mittlerweile komme sie zum Lernen. "Es macht mir richtig Spaß, und jedes Mal wenn wir zurückkommen, reden meine Mitbewohnerin und ich noch stundenlang über den Abend."