Es sei die Aufgabe und das Recht des Wirtschaftsministers, "die Finger in die Wunde zu legen", sagte Merkel am Samstag. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe hervorragende Arbeit bei der Vorbereitung der Lösung geleistet und trage das Ergebnis auch mit, sagte Merkel. Sie komme allerdings zu einer anderen Risikobewertung als der CSU-Minister. Für sie sei entscheidend gewesen, "dass die Risiken einer Alternative politisch absolut nicht verantwortbar sind".

Zu Guttenberg hatte sich deutlich distanziert über die Einigung geäußert. Angeblich soll er unionsintern seinen Rücktritt ins Spiel gebracht haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die kurz vor der entscheidenden Runde zur Zukunft von Opel mit US-Präsident Barack Obama telefonierte, sprach von einer "Perspektive für die Zukunft". Die Beschäftigten hätten diese Chance verdient, weil das GM-Missmanagement und nicht die Beschäftigten die Schuld an der Opel-Krise hätten.

Mit  Blick auf die von Guttenberg diskutierte "Planinsolvenz" von Opel, sagte Merkel, die Risiken einer Alternative zu einem Rettungskonzept seien für sie "politisch absolut nicht verantwortbar". Laut der Regierungschefin gibt es aber unterm Strich eine einheitliche Haltung der Bundesregierung.

Am Samstag wurde aber deutlich, dass die Opel-Einigung die Große Koalition vor eine Belastungsprobe stellen wird. So sagte SPD-Chef Franz Müntefering dem Tagesspiegel am Sonntag in Bezug auf Guttenberg: "Über die Rolle Einzelner in der ganzen Opel-Frage wird zu sprechen sein." Partei-Generalsekretär Hubertus Heil beschuldigte Guttenberg im Sender rbb, die Verhandlungen zu Opel mit seinen Vorstößen für eine Insolvenz unterlaufen zu haben.

Die CSU wiederum stützte ihren Minister und ging auf Distanz zu Merkel: "Bei der gefundenen Lösung steht nicht der Wirtschaftsminister, sondern ab jetzt das Bundeskanzleramt in der vollen Verantwortung", sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer in Berlin. Er nannte seinen Parteikollegen Guttenberg "das ordnungspolitische Gewissen der Regierung" und "Anwalt des Steuerzahlers".

In letzter Minute vor der bis Montag erwarteten Insolvenz des Mutterkonzerns General Motors verständigten sich Bund und Länder mit Vertretern der US-Regierung und dem Mutterkonzern General Motors (GM) in der Nacht zu Samstag auf den Einstieg des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna bei Opel.

Der Bund und die vier Bundesländer mit Opel-Standorten wollen dazu einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro staatlich absichern. Die für ein überlebensfähiges Unternehmen nötigen europäischen Teile von GM sollen in eine Treuhandgesellschaft ausgelagert werden.

Magna-Co-Chef Siegfried Wolf kündigte an, alle vier deutschen Opel-Werke und so viele Stellen wie möglich erhalten zu wollen. Die Bundesregierung rechnet auf der Grundlage des bisherigen Konzepts von Magna damit, dass rund 2600 der 25.000 Arbeitsplätze wegfallen. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers sollen im Bochumer Opel-Werk 1800 der 5000 Stellen gestrichen werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht geplant. Europaweit droht durch die Magna-Pläne der Abbau von rund 11.000 Stellen.