"Die Bürgschaft, um die es da geht, scheint mir notwendig und zukunftsträchtig", sagte Müntefering der Bild-Zeitung. "Es geht bei Arcandor um viele tausend Arbeitsplätze im wichtigen Dienstleistungssektor, überwiegend von Frauen." Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach sich gegen staatliche Hilfen aus. Arcandor verfüge über ein gesundes und profitables Touristikgeschäft, sagte er der Rheinischen Post. "Hier dürfen nicht Vermögenswerte der Eigentümer auf Kosten des Steuerzahlers geschont werden."

Die Muttergesellschaft der Karstadt-Warenhäuser sowie des Touristik-Dienstleisters Thomas Cook fordert vom Bund eine Bürgschaft über 650 Millionen Euro sowie einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW über 200 Millionen Euro. Anderenfalls drohe dem Unternehmen, das mehr als 50.000 Menschen beschäftigt, die Insolvenz. Die SPD sah diesen Vorstoß bislang skeptisch. Vor wenigen Tagen warnte Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier mit Blick auf die Arbeitsplätze jedoch vor einer voreiligen Absage.

Gestern war Arcandor jedoch weiter unter Druck geraten: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers kam zu dem Schluss, dass der Konzern mittlerweile praktisch keine freie Substanz mehr besitze. Daher sei eine Bürgschaftsübernahme mit erheblichen Ausfallrisiken verbunden. Außerdem widersprachen die Prüfer der Behauptung, die Schwierigkeiten des Unternehmens resultierten aus der Finanzkrisen. Dies ist jedoch Voraussetzung für eine Hilfe durch den Bund. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat der Bürgschaftsausschuss des Bundes bislang noch keine Empfehlung für oder gegen die beantragte Staatshilfe ausgesprochen.