Rhythmus finden, Rhythmus suchen, Rhythmus halten. Rhythmus ist eine Lieblingsvokabel von Bundestrainer Joachim Löw, wenn es um die Beschreibung der Leistung seiner Mannschaft geht. Auf der traditionellen Pressekonferenz vor dem Länderspiel gegen China am morgigen Freitag, ging es jedoch zunächst um Löws ganz persönlichen Rhythmus. Wie auch seine Spieler hatte Löw in der ersten Nacht in Shanghai mit dem Jet-Lag und der sechsstündigen Zeitdifferenz zu kämpfen: Spät eingeschlafen, oft aufgewacht, letztmalig um fünf Uhr früh Ortszeit, "das war es dann".

Doch selbst im Schlaf hatte den Bundestrainer sein Instinkt nicht verlassen: Kurz vor dem Champions-League-Finale, das gegen drei Uhr morgens chinesischer Zeit angepfiffen wurde, erwachte er: "Dann habe ich eine Stunde geschaut, aber dann bin ich eingeschlafen. Das ist mir noch nie passiert, bei der Champions-League einzuschlafen".

Entgegen sonstiger Gepflogenheiten hat Löw schon Einblicke gewährt in seine Pläne, den Rhythmus des bevorstehenden Länderspiels betreffend. So wird mit Robert Huth ein junger alter Bekannter von Beginn an auflaufen: "Einen Robert Huth habe ich nie abgeschrieben", sagte Löw. Beim Namen Huth werden geradezu melancholische Erinnerungen wach an den Beginn des Klinsmann-Löwschen Sommermärchens, als im Frühjahr 2005 die Nationalmannschaft beim Confederations Cup das erste Mal jene offensive Spielweise demonstrierte, die dann bei der WM begeisterte. In der Innenverteidigung spielte damals der große, gelegentlich etwas hüftsteife Huth – und avancierte zum Liebling der Tribünen. Das langgezogne "Huuuuuuth" ist allen, die damals dabei waren, zum Ohrwurm geworden.

Im Tor wird Robert Enke beginnen, mit Turban und noch nicht gezogenen Fäden, mit denen er nach seiner Kopfverletzung genäht worden war. Ansonsten hat der Bundestrainer in Gesprächen mit den in der letzten Phase der Saison hoch belasteten Stammspielern wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez oder Lukas Podolski gesprochen und ihnen eine Teilschonung ("eines der beiden Spiele, oder eineinhalb") angeboten, sich aber eine Absage eingefangen: "Gerade Philipp Lahm hat mir mitgeteilt, dass er sich fit fühle und unbedingt spielen will".

Was Schweinsteiger betrifft, so wird Löw ihm in einen der beiden Begegnungen die Möglichkeit geben, im zentralen Mittelfeld zu spielen, "nicht zwingend als Regisseur mit der Nummer zehn, sondern vielleicht auch im strategisch defensiven Bereich, als "Sechser" – wobei er im taktischen Bereich sicherlich noch das ein- oder andere lernen kann", sagte Löw.

Auf die Frage, wer das Team als Kapitän aufs Feld führen wird, hatte sich Löw noch nicht festlegen wollen. Wenn es dabei auch nach der Fähigkeit gehen sollte, auch jenseits des Platzes staatsmännisch-diplomatisch aufzutreten, hat sich Philipp Lahm nachhaltig empfohlen: "Wir freuen uns, hier zu sein, wir nehmen das Spiel wirklich ernst", sagte Lahm. Es sei für den Zusammenhalt als Mannschaft wichtig, dass die Spieler sich einmal über einen längeren Zeitraum sehen. Und zum Thema Kapitän sagte er ganz unverbindlich: "Ein Kapitän stellt sich in den Dienst der Mannschaft, er muss über Jahre seine Leistung in der Nationalmannschaft gebracht haben. Ich weiß nicht, wer als Kapitän auflaufen wird, sollte ich es sein, würde es mich sehr freuen, in einem so großen Land wie China die Mannschaft aufs Feld führen zu dürfen."