Schröder, der in mehreren Aufsichtsräten ausländischer Unternehmen sitzt, könnte den kanadisch-österreichischen Opel-Übernehmer Magna bei dessen geplanter Expansion auf den russischen Markt unterstützen. "Magna setzt unter anderem auf die Erschließung der osteuropäischen Märkte. Das ist doch klar, dass sie mit Blick auf Russland auch Kontakt zu Schröder suchen", sagte Steinmeier der Bild am Sonntag.

Schröder, der sich seit Jahren für eine enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Russland einsetzt und auch den Aufsichtsrat der deutsch-russischen Gas-Pipeline-Unternehmung leitet, hatte Opel bereits in der vergangenen Woche als Überlebensstrategie eine stärkere Ausrichtung auf den russischen Markt empfohlen.

Magna soll laut dem in der Nacht zum Samstag von Bund, Ländern, dem Mutterkonzern General Motors und Magna ausgehandelten Rettungskonzept künftig 20 Prozent der Anteile an Opel halten, 35 Prozent entfallen auf zwei russische Partner, den hoch verschuldeten Autohersteller Gaz (Wolga-Limousine) und das Geldinstitut Sberbank.

Opel soll dafür vorübergehend in eine neue Holding ausgegliedert werden, die ein Treuhänder verwaltet. Der Staat zwingt abhängige Banken, das Unternehmen kurzfristig mit Krediten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu unterstützen, für die er selbst bürgt. Der Bund stockt dann binnen fünf Jahren seinen Bürgschaftsrahmen für das Konsortium rund um Magna auf 4,5 Milliarden Euro auf. Das Land Thüringen wird sich nach den Worten von Ministerpräsident Dieter Althaus mit rund 52 Millionen Euro an der Absicherung des Brückenkredits für Opel beteiligen. Auch Hessen machte am Sonntag den Weg für den ersten Opel-Überbrückungskredit frei. Das Übernahme-Konsortium wiederum verspricht, die vom Staat verbürgten Kredite schnell zurückzuzahlen. Magna sicherte zudem zu, die neugegründete Gesellschaft werde auf dem russischen Markt 700.000 Autos pro Jahr verkaufen. Auch GM, der selbst unmittelbar vor der Insolvenz steht, soll weiter an Opel beteiligt bleiben.

Nach Angaben von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will Magna innerhalb von fünf Jahren rund 500 Millionen Euro "ohne irgendeine Form von Sicherheit" in Opel investieren. Im Gegenzug würden in den deutschen Werken nur "etwas mehr als 2000 Arbeitsplätze" gestrichen, sagte Koch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es seien "nach Auffassung der neuen Eigner" aber keine Entlassungen notwendig. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) sollen allein im Bochumer Opel-Werk 1800 der 5000 Stellen wegfallen. Bei Opel sind an den Standorten Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern insgesamt rund    26. 000 Mitarbeiter beschäftigt. Europaweit droht durch die Magna-Pläne der Abbau von rund 11.000 Stellen.

Steinmeier, dessen Partei als Gewinner aus dem Verfahren hervorgeht, lobte in der Bams die Lösung für Opel. "Alle Konzepte sahen Abbau vor. Mit dem Magna-Konzept erhalten wir nicht nur die vier deutschen Standorte, sondern auch die größtmögliche Zahl an Arbeitsplätzen." Bisher war völlig unklar gewesen, wie viele Stellen die Rettung kosten wird. Auch die US-Regierung lobte, die Übereinkunft sei ein positiver Schritt für die Autobranche, wie ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte. Auch Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hatte eine Insolvenz für zu riskant gehalten. 

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erneuerte dagegen seine Kritik an dem Rettungspaket. "Der Staat läuft Gefahr, sich erpressbar zu machen, wenn er einmal großzügig hilft", sagte der CSU-Politiker der Welt am Sonntag. Guttenberg hätte eine Insolvenz dem Einstieg von Investoren vorgezogen, wie er am Samstag klar machte. "Bei der Bewertung der Risiken des vorliegenden Konzepts kam ich zu einer anderen Einschätzung als meine Kollegen", sagte Guttenberg. Ähnlich sah es der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans-Heinrich Driftmann, in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk.