Pakistans Armee hat den Sieg über die Taliban im Swat-Tal verkündet. Es gibt keine unabhängigen Quellen, die das bestätigen könnten. Doch ist klar, dass die Armee diesmal massiv eingegriffen hat. Der "Sieg" im Swat-Tal ist eine weitere Runde in dem nach den Attentaten des 11. September von den USA ausgerufenen Krieg gegen den Terror.

In diesen sieben Jahren hat sich der Krieg in der Grenzregion mit Afghanistan ausgebreitet und an Intensität zugenommen. Und immer noch ist kein Ende absehbar. Ein Sieg, wie ihn die pakistanische Armee jetzt verkündet hat, ist nicht nur in weite Ferne gerückt, es ist auch unklar, wie so ein Sieg aussehen könnte. Als sich die USA, und mit ihr die Nato, zur Intervention in Afghanistan entschlossen, da war viel von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten die Rede. In der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, man könne ein von 30 Jahren Krieg verwüstetes Land in wenigen Jahren wieder aufbauen und in eine blühende, demokratische Landschaft verwandeln.

Davon ist man lange abgerückt. Halbwegs stabil, halbwegs unter Kontrolle, halbwegs frei von Taliban und al-Qaida – damit wären Washington und seine Verbündeten in Afghanistan schon zufrieden. Selbst diese Minimalziele sind aber nur erreichbar, wenn Pakistan auf der anderen Seite am selben Strang zieht.

Das ist durchaus möglich. Pakistans Armee und Regierung haben begriffen, dass die Taliban zu einer ernsthaften Bedrohung für die Stabilität des gesamten Staates geworden sind. Deshalb die Härte ihrer Offensive. Wie Ernst die Extremisten es meinen, zeigten sie der Armee mit dem Selbstmordattentat in Lahore, das über 30 Menschen das Leben kostete und mit der Entführung von Hunderten Studenten in der Grenzregion zu Afghanistan.

Und dabei wird es nicht bleiben, Pakistan ist im Kriegszustand. Der Westen ist gut beraten, sich endlich militärisch zurückzuhalten. Nur wenn die Pakistaner das Gefühl haben, dass sie um die Existenz ihres Staates und nicht im Interesse der USA kämpfen, besteht die Hoffnung, dass sie diesen Krieg gewinnen können. Der Konflikt muss in diesem Sinne regionalisiert werden. Zu tun gibt es für den Westen immer noch genug.

Da gibt es zum Beispiel die drei Millionen Menschen, die vor der jüngsten Offensive geflüchtet sind. Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes leben diese Menschen in äußerst prekären Verhältnissen. Wenn es stimmt, dass Pakistan "unseren" Krieg führt, dann sind diese Flüchtlinge auch "unsere" Flüchtlinge. Der Westen sollte diesen Menschen helfen, er tut es nur nicht. Das ist empörend und kurzsichtig – denn unter den sich selbst überlassenen Flüchtlingen werden die Taliban reiche Ernte einfahren können.