Die Hände tief in den Taschen vergraben, den Reißverschluss seiner Trainingsjacke bis zum Hals geschlossen, lächelt Bruno gequält in die Kameras. Er, der normalerweise den feinen Zwirn italienischer Modemacher trägt, wirkt einen Tag vor dem Finale im DFB-Pokal in Berlin gegen Werder Bremen müde und angespannt. Der Trainer von Bayer Leverkusen eilt nach der Pressekonferenz durch den Hinterausgang, damit er keine weiteren Fragen zu seiner Zukunft beantworten muss. Denn die ist ungewiss.

Labbadia steht in Leverkusen in der Kritik. In der Hinrunde lobten die Experten noch den flotten Fußball, den der von Greuther Fürth gekommene Labbadia spielen ließ. Nach dem Sieg gegen den späteren Meister Wolfsburg am elften Spieltag stand Bayer sogar auf Rang eins. Doch dann holte die Mannschaft nur 17 Punkte in der Rückrunde und belegte am Ende Platz neun. Bayer Leverkusen verpasste den internationalen Wettbewerb deutlich. Allein ein Sieg im Pokalfinale würde die Saison retten. Bayer würde dann im ehemaligen Uefa-Cup Europa League starten. Doch nicht einmal das würde möglicherweise einen Rauswurf Labbadias verhindern.

Die Verantwortlichen und der Trainer versuchen nach außen, die Situation zu entschärfen. "Wir sind von Brunos Arbeit überzeugt", sagt der Sportdirektor Rudi Völler. Labbadia spricht davon, wie sehr man sich auf das Finale freue. Er sehe kein Problem darin, "die Diskussion zur Seite zu schieben", um sich mit den Spielern auf das "Spiel des Jahres" zu konzentrieren. Doch das Verhältnis zur Mannschaft gilt als belastet. Angeblich hat es eine Teamsitzung gegeben, in der sich ein Großteil der Mannschaft gegen ihren Coach ausgesprochen haben soll.

Viele Spieler können seine Personalentscheidungen nicht nachvollziehen. Und auch die Art des in der Öffentlichkeit oft smart auftretenden Trainers gefällt einigen nicht. Labbadia gilt als ehrgeiziger Disziplinfanatiker und Einzelgänger. "Es gibt ein paar Reibereien, aber es gibt eben immer Spieler, die nicht so oft spielen, die nicht glücklich sind mit dem Trainer", sagt Völler, um zu beschwichtigen, kritisiert gleichzeitig aber, dass Labbadia zu viel in sich reinfresse. "Bruno ist manchmal etwas verbissen".

Ein klares Bekenntnis zu seinem Trainer kommt Völler nicht über die Lippen. Bei einem Satz wie "es gibt Gründe für die unbefriedigende Rückrunde und die werden wir nach der Saison analysieren", muss es Labbadia heiß und kalt werden. So reden Verantwortliche, wenn die Demission des Trainers kurz bevorsteht. Die Äußerung vom Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser wird Labbadia ebenfalls nicht beruhigen: "Von Treueschwüren halte ich nichts. Das würde auch nicht zum schnelllebigen Fußball passen."