Die Staatsanwaltschaft erließ einen internationalen Haftbefehl gegen den Ex-Finanzchef, Christos Karavelas. Trotz einer Vorladung war er nicht vor dem Staatsanwalt in Athen erschienen. Er ist schon der zweite hohe Manager von Siemens Hellas, der auf der Flucht ist. Vor einer Woche war der frühere Chef der griechischen Niederlassung, Michael Christoforakos, untergetaucht. Auch gegen ihn besteht ein Haftbefehl. Beide Manager sollen sich in Deutschland aufhalten.

Siemens hatte sich 2007 von Christoforakos getrennt. Ihm und weiteren 33 Personen, darunter auch ein ehemaliger deutscher Top-Manager des Unternehmens, Volker Jung, wird unter anderem Bestechung vorgeworfen. Bei dem deutschen Elektronikkonzern waren in den vergangenen Jahren insgesamt mindestens 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Ein Großteil der Gelder soll im Ausland als Bestechung eingesetzt worden sein, um Aufträge für das Unternehmen zu generieren.

In Griechenland sind Schätzungen zufolge Schmiergelder in Höhe von rund 100 Millionen Euro an Politiker und Funktionäre geflossen. Dabei soll es um Aufträge für die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes in den 90er Jahren, Kommunikationssysteme für das griechische Heer und das Überwachungssystem für die Olympischen Spiele 2004 gegangen sein.

"Die zwei wichtigsten Personen dieses Schmiergeldskandals sind getürmt. Die Chancen zu erfahren, wer in Griechenland von Siemens bestochen worden ist, rückt in weite Ferne", kommentierte der griechische Rundfunk. Die deutsche Justiz prüft laut griechischen Medienberichten aber, ob Christoforakos nach Athen ausgeliefert werden kann. Der Ex-Vorstand hat die griechische und die deutsche Staatsbürgerschaft. Ex-Finanzchef Karavelas soll dagegen planen, sich nach Uruguay abzusetzen.