Ein Hauch Kalifornien weht dieser Tage durchs tiefste Sachsen-Anhalt: "Malibu" kommt ins Örtchen Osterwedding in der Nähe von Magdeburg. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Energiekonzerns E.on und des Fassaden-Spezialisten Schüco, das am Donnerstag den Betrieb aufnimmt. Malibus Ziel: Dünnschicht-Module, die aus Sonnenenergie Strom erzeugen, sollen in Osterwedding hergestellt werden.

Die Eröffnung des Werks wird mit viel Pomp gefeiert. Sogar E.on-Chef Bernotat und Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg haben sich angekündigt. Für den Konzern scheint es ein wichtiges Projekt: "Im Solarbereich gibt es ein massives Potenzial, es macht Sinn, möglichst früh dabei zu sein", sagt ein E.on-Sprecher.

Damit steigt ein großer Energiekonzern erstmals seit Jahren wieder ins Solargeschäft ein, diesmal sogar in die Produktion. Es ist ein seltenes Engagement dieser Tage, denn die deutsche Solarbranche steckt aufgrund ihrer Überkapazitäten in einer tiefen Krise. Vielleicht halten sich die drei anderen großen Versorger des Landes deshalb aus dem Geschäft zurück. RWE, Vattenfall und EnBW zeigen der Photovoltaik mehr oder weniger offen die kalte Schulter.

E.on will dennoch an den Plänen festhalten. Schließlich sind die Ziele groß: Langfristig sollen die Module zum Bau von solaren Großkraftwerken eingesetzt werden, die gerade in sonnenverwöhnten Regionen kostengünstig Strom produzieren können. Wenn der Strom aus Solaranlagen genauso günstig zu produzieren sei wie konventioneller Strom – Fachleute sprechen von der "Netzparität" –, könnte das den Durchbruch bedeuten, hofft die Branche. Schon im kommenden Jahr könne er in Ländern mit hohen Stromkosten erfolgen, unter anderem in Italien, erwarten Konzerne wie Q-Cells.

Die in Osterwedding hergestellten Dünnschicht-Module lassen sich besonders kostengünstig herstellen. In der Produktion wird sehr wenig Silizium verbraucht, was die Technologie unabhängiger von dem Rohstoff und seinem stark schwankenden Preis macht. Der Großteil der deutschen Solarkonzerne hingegen produziert Solarzellen aus kristallinem Silizium, denn sie haben einen höheren Wirkungsgrad: Während Dünnschicht-Zellen auf einen Wirkungsgrad von zurzeit maximal zwölf Prozent kommen, erreichen kristalline Zellen bereits 20 und mehr Prozent. Nur der US-Solarkonzern First Solar konnte sich bisher mit der Dünnschicht-Technologie ernsthaft etablieren, er gehört inzwischen zu den größten Modulherstellern weltweit.

Bislang ist die Bilanz der großen Energiekonzerne im Solargeschäft eher mau. Der Aufbau der deutschen Solarindustrie mit börsennotierten Konzernen wie Q-Cells oder Conergy geschah ganz ohne sie. Ölriese Shell verabschiedete sich vor drei Jahren zu großen Teilen aus dem Geschäft, als er seine Solarsparte teilweise an das Bonner Unternehmen Solarworld verkaufte. Der größte Energiekonzern der Welt, Exxon Mobil, ist ebenfalls kaum im Ökostrom-Geschäft aktiv. Wettbewerber BP kündigte Ende März an, seine europäischen Solar-Standorte zu schließen, und will fortan mit asiatischen Anbietern kooperieren.

Auch für die in Deutschland aktiven Stromkonzernen spielt Solarstrom bislang keine Rolle – auch strategisch nicht. Vattenfall setzt vor allem auf Wind, Wasserkraft und Biomasse. EnBW hat vor Kurzem die Offshore-Windenergie entdeckt und kauft sich mit beträchtlicher Verzögerung in Projekte ein. Die Ökostrom-Tochter von RWE, Innogy, investiert vor allem in Windenergie- und Biomasse-Projekte. Innogy will mehr als eine Milliarde Euro jährlich ausgeben, um die Klimabilanz von Europas größtem Kohlendioxid-Emittenten zu verbessern. "Es gibt deutlich bessere Energieformen als Photovoltaik, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu mindern", sagt ein Unternehmenssprecher.