1998:
Der US-Biologe James Thomson schafft es als Erster, stabile Stammzellen aus jungen menschlichen Embryonen zu gewinnen. Die embryonalen Stammzellen (ES) wecken die Hoffnung, künftig jedes beliebige Gewebe züchten zu können. Gleichzeitig entfachen sie jedoch auch erbitterte ethische Debatten, denn die Embryonen – in Thomsons Fall Überbleibsel künstlicher Befruchtungen – können die Eingriffe nicht überstehen.

2000:
Der Bonner Nervenforscher Oliver Brüstle beantragt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ES für seine Projekte importieren zu dürfen. Dabei beruft er sich auf eine Lücke im Embryonenschutzgesetz, das zwar verbietet, in Deutschland ES herzustellen, sich aber nicht explizit gegen die Einfuhr aus dem Ausland richtet. 1999 hatte Brüstle bereits Mausstammzellen in Hirnzellen umgewandelt und mit ihrer Hilfe nervengeschädigte Tiere geheilt, nun will er seine Ergebnisse auf menschliche Zellen übertragen. Sein Antrag entfacht eine politische Debatte.

2001 bis 2002:
Am 31. Mai 2001 debattiert der Bundestag, jedoch ohne konkrete Beschlüsse. Erst acht Monate später, am 30. Januar 2002, einigen sich die Politiker auf einen Kompromiss: Zwar wollen sie den Import von ES grundlegend verbieten, für "hochrangige Forschungsziele" soll es jedoch Ausnahmen geben. Aus der Debatte geht das Stammzellgesetz hervor, das im Juli 2002 in Kraft tritt. Es erlaubt, ausschließlich an ausländischen ES zu forschen, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden; 2008 verlegen die Politiker den Stichtag auf den 1. Mai 2007. Nach über eineinhalb Jahren wird auch Brüstles Antrag genehmigt und er organisiert sich Stammzellen aus Israel.

2005:
Der Südkoreaner Hwang Woo-Suk behauptet, es sei ihm gelungen, Patienten zu klonen und daraus embryonale Stammzellen herzustellen. Bei dem sogenannten therapeutischen Klonen wird der Zellkern aus einer Körperzelle entfernt und in eine entkernte Eizelle eingesetzt. Hat sie sich zu einem Embryo entwickelt, können aus ihr Stammzellen gewonnen werden – mit dem Erbgut des Spenders. Dadurch wäre es möglich, maßgeschneiderte Organe zu züchten, die das Immunsystem des Patienten nicht abstößt. Die Ergebnisse entpuppen sich allerdings als komplett gefälscht, Hwnag hatte nie auch nur eine menschliche Zelle geklont.

2006:
Forscher stellen fest, dass nur die Proteine von vier Genen nötig sind, um aus einer ausgereiften, spezialisierten Körperzelle wieder einen Alleskönner zu machen und sie in ihren embryonalen Zustand zurückzuversetzen. Der Japaner Shinya Yamanaka schafft es, die vier Gene mit Viren in Mäusezellen einzuschleusen und erzeugt so induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) – die ersten Stammzellen, für deren Herstellung keine Embryos notwendig sind.