Fast 400 Hochschulen gibt es in Deutschland. Daher fällt es Studierenden oft schwer, sich für eine zu entscheiden. Wer sich für Fächer rund um Technik, Wirtschaft oder Sozialwesen interessiert, muss zudem wissen: Ist für mich ein Studium an der Universität oder an einer Fachhochschule (FH) das Richtige?

Experten raten, sich zunächst zu fragen: Interessiert mich vor allem die Praxis oder auch der theoretische Hintergrund eines Faches? In ihren Sprechstunden gehörten solche Neigungen zu den wichtigsten Kriterien, sagt Irene Vogt, Abiberaterin der Berliner Arbeitsagentur. Wenn Schüler ganz genau wissen wollen, in welchem Beruf sie nach einem bestimmten Studium arbeiten werden, "kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie eher zur Fachhochschule gehen sollten". Dort seien die Fächer stärker auf die spätere Arbeitswelt zugeschnitten. Studiengänge wie Veranstaltungsmanagement oder Verpackungstechnik bilden speziell für bestimmte Branchen aus.

In den Lehrveranstaltungen geht es an der FH stärker um anwendbares Wissen, während an der Universität ein größerer Teil des Studiums auf die theoretische Bildung sowie auf umfangreiche natur- und technikwissenschaftliche Grundlagen entfällt. Insgesamt ist die Ausbildung an der Universität in der Tiefe anspruchsvoller, sagt Vogt. Daher könne auch der Blick auf die Schulnoten aufschlussreich sein: "Mit den Anforderungen an der Universität kommt besser klar, wer vor allem in Deutsch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften sehr gute Zensuren hatte." Trotzdem ist es nicht selten so, dass Fachhochschulen wegen ihrer Beliebtheit höhere NCs haben als Unis.

Zum Studium an der Fachhochschule gehören häufiger Praxisprojekte oder Abschlussarbeiten in der Wirtschaft. "Oft besteht ein enger Kontakt zwischen Lehrenden und regionalen Unternehmen", sagt Reinhard Thümer, Präsident der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin. Die Hochschule hieß noch vor zwei Monaten Technische Fachhochschule (TFH). Doch in Berlin wie auch in vielen anderen Bundesländern haben die Fachhochschulen die Silbe "Fach-" in ihrem Namen abgelegt, weil sie international nicht verständlich sei.

Der starke Branchenbezug der Fachhochschulen ergebe sich auch aus dem Werdegang ihrer Wissenschaftler, sagt Thümer: "Im Gegensatz zur Universität müssen Professoren an Fachhochschulen fünf Jahre Berufspraxis nachweisen." Das verändere ihre Denkweise und ihre fachlichen Schwerpunkte: "An den Unis wird eher Grundlagenforschung betrieben, bei uns geht es darum, wo man das Wissen anwenden kann."

Ein Beispiel aus der Beuth-Hochschule: Zoobesucher sollen auf ihr Handy Informationen über die Tiere erhalten. Studierende an der Fachhochschule fragen dann: Wie kann man den Service so benutzerfreundlich gestalten, dass auch die Großmutter oder ihr Enkelkind das Infoprogramm bedienen können? "An der Universität würde man sich eher mit den mathematischen Grundlagen, beispielsweise der benötigten Kapazität eines zentralen Rechners befassen", erklärt Thümer.

Neben den fachlichen Unterschieden könnten Lehrorganisation und Betreuung wichtige Faktoren für Studienbewerber auf der Suche nach der richtigen Hochschule sein. Befragungen zeigen, dass FH-Studenten ihren Studienablauf als stärker reglementiert empfinden: 78 Prozent geben im "Studierendensurvey" der Konstanzer Arbeitsgruppe Hochschulforschung an, ihr Studium sei "völlig" oder "überwiegend" durch Verlaufspläne oder Studienordnungen festgelegt. An der Universität sehen das weniger als zwei Drittel der befragten Studenten so.