Nach dem bereits zwei männliche Leichen geborgen sind, hat die brasilianische Luftwaffe am Sonntag drei weitere Tote gefunden. Hoffnung auf Überlebende gibt es seit Tagen nicht mehr. Doch die Suchtrupps wollen so viele Trümmer wie möglich von der am Pfingstmontag in den Atlantik gestürzten Passagiermaschine finden, um die Ursache des Absturzes zu klären. Bei dem Unglück waren 228 Menschen gestorben.

Nachdem sie zunächst nur unidentifizierbares Treibgut aus dem Ozean fischte, fand die brasilianische Luftwaffe am Wochenende Trümmer des abgestürzten Air-France-Airbus 330-200, darunter Teile einer Tragfläche.

Die Marine hatte zuvor zwei männliche Flugzeuginsassen tot aus dem Meer geborgen, weiterhin einen blauen Passagiersitz und zahlreiche persönliche Gegenstände wie einen Lederkoffer und einen Rucksack. Der Fundort liegt etwa 650 Kilometer nordöstlich der Inselgruppe Fernando de Noronha. Das ist etwa 70 Kilometer südlich der Position, von der die Flugsicherung die letzten Signale des Airbus empfing. Experten des rechtsmedizinischen Instituts in die Küstenstadt Recife wollen die geborgenen Toten nun identifizieren.

Vorrang habe jetzt die Suche nach den übrigen Passagieren, hieß es. "Die Suche geht rund um die Uhr mit der Priorität, die Leichname zu finden, weiter", sagte ein Sprecher. Am Samstagabend habe man auch weitere der gesichteten Sitze des Flugzeuges geborgen. An Bord der in Rio de Janeiro mit Ziel Paris gestarteten Maschine waren auch 28 Deutsche.

Fünf Wochen vor dem Absturz ihres Flugs 447 hatte die Airline mit dem Austausch von Druck- und Geschwindigkeitssensoren an Airbus-Langstreckenflugzeugen begonnen, den sie nun beschleunigen will. An unterschiedlichen Typen hatte es Vereisungsprobleme mit den Sensoren gegeben. Die Fühler versorgen die Fluginstrumente mit Informationen über den Luftdruck in der Umgebung des Flugzeugs und ermöglichen so die Geschwindigkeitsmessung. Auch die Höhen und die Steig- oder Sinkrate werden mit Hilfe der Daten berechnet.

Ermittler untersuchen derzeit, ob eine falsche Fluggeschwindigkeit zu der Katastrophe über dem Atlantik führte. Das etwa 1000 Kilometer vor der brasilianischen Küste verunglückte Flugzeug hatte kurz vor dem Absturz eine Geschwindigkeits-Fehlermeldung gegeben. Der Jet war durch eine gewaltige Gewitterfront geflogen. Air France hatte sehr früh einen Blitzschlag als Unglücksursache angegeben. Anhand der übermittelten Notsignale wurde vermutet, dass der Airbus in großer Höhe einfach auseinander gebrochen sein könnte. Jedoch herrschte nach Angaben des französischen Wetterdienstes kein außergewöhnlich schweres Unwetter über dem Atlantik.

Air France betonte, dass mit dem Austausch der Sensoren keinerlei Urteil über die mögliche Absturzursache verbunden sei. Die Flugunfallermittler hatten am Samstag allerdings bestätigt, dass der Bordcomputer des Unglücksairbus A330 den Autopiloten ausschaltete, weil die Daten von drei Sonden zur Geschwindigkeitsmessung um 50 Stundenkilometer voneinander abwichen.

Nach Angaben von Air France hatte Airbus bereits 2007 empfohlen, die Sonden an Maschinen des Typs A320 auszutauschen, weil es zu Funktionsstörungen kommen könnte. Für Maschinen des Typs A330 und A340 gebe es allerdings bislang keine entsprechende Empfehlung – obwohl auch dort seit Mai 2008 Probleme wegen Vereisung beobachtet worden seien.

Die US-Marine unterstützt die Suche im Atlantik mit zwei hochsensiblen Geräten, die Signale aus den gesuchten Flugschreibern auch aus rund 6000 Metern Tiefe empfangen können. Auch ein französisches Forschungsschiff mit Tauchgeräten, die noch aus 6000 Metern Tiefe Teile bergen können, wurde zur Absturzstelle geschickt. Außerdem hat Frankreich das Atom-U-Boot Emeraude mit seinen empfindlichen Horch- und Sonargeräten entsandt.