Einen "Tag der Abrechnung" mit Europa versprach die FPÖ ihren Anhängern am Tag der Europawahl in Österreich und warb mit dem Slogan: "Echte Volksvertreter, statt Europa-Verräter". Die British National Party forderte im Wahlkamp: "Britische Jobs für britische Arbeiter" und verlangte, den Einfluss der EU auf nationale Entscheidungen zu minimieren. In den Niederlanden hetzte der Rechtspopulist Geert Wilders gegen die "korrupten Ostblockländer Rumänien und Bulgarien", die er aus der EU ausschließen wolle und schlug vor, europaweit den Koran zu verbieten.

In allen Ländern der Europäischen Union warben rechte und rechtsextreme Parteien um die Stimmen unzufriedener Europäer. Ob in Italien, den Niederlanden, Finnland, Griechenland, Dänemark oder Rumänien – in den meisten EU-Staaten haben Brüssel-Skeptiker und Nationalisten Stimmen dazu gewonnen. Auf 88 Sitze kommt die Gruppe "der Anderen", zu der unter anderen auch die Europa-Gegner gerechnet werden. 35 Sitze gingen zudem an die rechtsextreme Fraktion "Europa der Nationen".

In den Niederlanden belegte der EU-Skeptiker Wilders mit seiner "Partei für die Freiheit" den zweiten Platz und lag noch vor den Sozialdemokraten. Er will Muslime abschieben, die nicht genügend Integrationsbemühungen zeigten.

Der österreichische EU-Rebell Hans-Peter Martin erreichte mit seiner Liste 17,9 Prozent und legte um vier Punkte zu. Die Liste Martin belegt den dritten Platz. Ihr Erfolg verhinderte wohl ein noch besseres Abschneiden der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), der die Verdopplung des Wahlergebnisses von 2004 gelang. Mit anti-islamischen Parolen und einem hölzernen Kruzifix in der Hand hatte der Chef der Rechtpopulisten, Heinz-Christian Strache, erfolgreich um Stimmen gebuhlt: Die FPÖ kam auf 13 Prozent. "Abendland in Christenhand" war nur eine Parole der Rechten. Im Wahlkampf wetterten die Freiheitlichen gegen EU-Abgeordnete, die Pornohefte auf Spesen abrechneten und zu wenig für die alteingesessene Bevölkerung Österreichs tue. Würstle statt Döner forderte etwa FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Was sie in Europa konkret besser machten wollten, verrieten die Rechtspopulisten in Österreich und den Niederlanden nicht.

Auch in Großbritannien erzielten europafeindliche Parteien gute Ergebnisse: Die United Kingdom Independence Party (UKIP) liegt bei der Wählergunst mit 17,6 Prozent auf den zweiten Platz – noch vor der Labour-Party von Gordon Brown. Die UKIP verspricht, sich für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU einzusetzen. Zugelegt hat in Großbritannien die ausländerfeindliche British National Party (BNP). Sie kann zwei Parlamentarier nach Brüssel entsenden. Die BNP nimmt nur Weiße als Mitglieder auf und fordert, dass die Britischen Inseln den ursprünglichen Bewohnern vorbehalten sein sollen: Den Nachfahren der Angeln, Sachsen, Normannen, Kelten und anderen Stämme.