Frage: Herr Patzelt, vieles spricht dafür, dass Arcandor im Laufe der Woche Insolvenz anmeldet. Glauben Sie noch an eine Rettung?

Hellmut Patzelt: Auf jeden Fall. Natürlich habe ich ein Gefühl der Unsicherheit, was passieren wird. Aber ich glaube nach wie vor, dass die Regierung uns unterstützt.

Frage: Was macht Ihnen Mut?

Hellmut Patzelt: Die Gespräche mit der Politik und die Unterstützung aus der Bevölkerung. Ich habe aus den Ministerien viele Signale bekommen, die kein endgültiges Aus für Arcandor sehen. Auf die vertraue ich. Zudem haben wir weit über eine Million Unterschriften für Staatshilfe gesammelt. In Kaufhäusern von Rosenheim bis Flensburg. Das sind Kunden, die nicht wollen, dass wir aus den Innenstädten verschwinden. Aber auch Steuerzahler, über deren Geld die Regierung entscheidet.

Frage: Würden Sie eine Ablehnung denn verstehen? Opel, mit halb so vielen Beschäftigten wie Karstadt, hat der Staat geholfen.

Hellmut Patzelt: Ich sage nicht, wir sind dringender als Opel. Das ist nicht meine Denkstruktur. Ich kenne die Kollegen bei Opel, und die stehen unter dem gleichen Druck wie wir. Ich sage nicht: Warum die und wir nicht? Sondern ich habe mich für Opel gefreut. Wir erwarten aber, dass wir genauso behandelt werden, eine Ablehnung wäre für uns eine Katastrophe.

Frage: Wie ist die Stimmung der Beschäftigten?

Hellmut Patzelt: Eine ungeheure Zahl unserer Mitarbeiter bangt um ihren Arbeitsplatz. Sie glauben gar nicht, was da zum Teil für eine Angst herrscht. Ich muss das täglich auffangen. In der Zuversicht, dass man uns hilft. Aber auch unsere Belegschaft möchte nicht die Fälle Opel und Arcandor gegeneinander ausspielen.

Frage: Warum kann Ihr Unternehmen ohne Steuergeld nicht überleben?

Hellmut Patzelt: Es geht hier im Moment nicht um Steuergeld, sondern um eine Überbrückung in Form einer Bürgschaft, die in der derzeitigen Situation den Steuerzahler nichts kostet, und es geht um Kredite, die zurückgezahlt werden.

Frage: Aber die Rückzahlung können Sie nicht garantieren.

Hellmut Patzelt: Nein, das können wir nicht. Aber wir haben eine nicht-euphorische Unternehmensplanung, die unabhängig überprüft wurde. Und gerade die Mitarbeiter von Karstadt leisten bereits einen massiven Beitrag für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze. Sie haben eine Zukunft verdient.