Ob Wirtschaftskapitän oder Politiker – wer es zu etwas gebracht hatte, der fuhr in der ersten Hälfte der Achtziger S-Klasse. Der BMW Siebener war etwas für Bayern, Jaguar und ähnliche Exoten bestellten nur die Exzentriker. Und dass Audi einmal zum Konkurrenten für Mercedes werden würde, das konnte sich noch niemand vorstellen. Die S-Klasse atmete dagegen aus jeder Karosseriefuge den Geist schwäbischer Solidität. Wo der Stern war, war vorne.

Sie war sozusagen die Letzte aus der alten Zeit. Die letzte Oberklasse-Baureihe, die Mercedes entwickeln konnte in dem Bewusstsein, dass an ihr sowieso kein Weg vorbeiführen würde, interner Baureihencode "W126". Vor 30 Jahren, auf der Internationalen Automobilausstellung 1979, wurde das Modell vorgestellt.

Acht Jahre hatten sich die Stuttgarter Zeit gelassen, den Neuen zu entwickeln. Wie im Haus üblich, sollte die neue S-Klasse zum Wegweiser in Sachen Design und Technik werden. Und das gelang mit einem radikalen Bruch. Denn während die Mercedes-Modellpalette Ende der Siebziger noch allüberall verchromt glänzte, hatte Designer Bruno Sacco für den Neuen eine Form gezeichnet, die Schluss machte mit allem Barock und Zierat: glatt, radikal sachlich, mit ungekannten Mengen an Kunststoff im sichtbaren Bereich. Nicht nur an den Stoßfängern, die fast komplett in die Karosserie integriert waren, sondern sogar als Seitenverkleidungen, die die Linie der Stoßstangen fortsetzten. Menschen nannten sie schnell despektierlich "Sacco-Bretter".

Den Zeitgeist hatten die Schwaben damit perfekt abgebildet. Zwar dauerte es noch drei Jahre, bis Helmut Kohl die "geistig moralische Wende" ausrief. Doch überall in der Gesellschaft war zu merken, dass sich die Zeit der ornamentierten Kuscheligkeit dem Ende zuneigte: In Großbritannien trimmte Margaret Thatcher die Wirtschaft auf Profit, in den USA übernahm Ronald Reagan und träumte vom Krieg der Sterne. Die Wall Street gab die Losung aus, dass Gier nichts war, für das man sich schämen musste.

Für ein kaltes Jahrzehnt hatte Mercedes eine funktionelle Form geschaffen. Dabei war das Design zumindest zum Teil noch der ersten Ölkrise geschuldet. Windschnittigkeit sollte helfen, den Verbrauch zu senken.

Das und Maßnahmen, um das Gewicht zu reduzieren, machten die S-Klasse nicht direkt sparsam – mit Verbrauchswerten jenseits der elf Liter mussten auch die Fahrer kleiner S-Klasse-Motorisierungen leben, wer den Achtzylinder mochte, konnte auch 15 und mehr Liter auf 100 Kilometer verfahren. Aber immerhin gelang es, den Verbrauch der Modelle gegenüber dem Vorgänger um durchschnittlich rund zehn Prozent zu senken. Und das, obwohl sich unter der Haube in den ersten Jahren noch die gleichen Motoren befanden wie im alten Modell – wenn auch zum Teil in überarbeiteter Form.

Die Autokäufer mussten aber trotzdem nicht traurig sein. Denn die Technik behielt ihre legendäre Haltbarkeit. Laufleistungen von mehr als 500.000 Kilometern schafften viele Besitzer, vor allem mit den großen Achtzylindern, wenn ein Minimum in die Wartung investiert wurde.