Die Aufregung war groß, als der Kurator des deutschen Pavillons, Nicolaus Schafhausen, bekannt gab, dass der Brite Liam Gillick, also ein Künstler mit nicht-deutscher Nationalität, den Pavillon der 53. Biennale in Venedig bespielen wird. Gillick nahm seine Aufgabe ernst und war fleißig: Er befasste sich ausgiebig mit der Geschichte des Deutschen Pavillons, hielt Vorträge und gab eine Edition eines Architekturmodells heraus, das sich an den unverwirklichten Entwürfen des Documenta-Gründers Armin Bode zum Umbau der faschistoiden Pavillonarchitekur orientierte.

Damit war klar: Gillick würde zu den Künstlern gehören, die sich schon in den Jahren zuvor mit der Geschichte des Pavillons auseinandergesetzt haben - wie Joseph Beuys und Hans Haacke, die die Ideologie der Architektur durchleuchteten, wie Gregor Schneider, der sich den Raum nahezu einverleibte und wie Isa Genzken, die den Pavillon einst hinter Baugerüsten völlig verbarg.

Mit Spannung war daher Gillicks Interpretation des Pavillons erwartet worden. Doch im Vergleich zu seinen Vorgängern wirkt Liam Gillicks Küchen-Installation eher harmlos: Module – Ober- und Unterschränke – einer typischen Einbauküche aus schlichtem Fichtenholz, die an die durchrationalisierte Frankfurter Küche der 1920er Jahre erinnert, ziehen sich durch den Pavillon. Die Architektur bleibt dabei unverändert, einzig die verschiedenen Räume – der Haupt- und seine zwei Nebenräume – werden zu Fluchten verbunden. Gillicks Versuch, dem monumentalen Gebäude Offenheit abzutrotzen, wirkt eher unspektakulär. Daran kann auch die Küchenkatze nichts ändern, die Nachbildung einer Katze, die dem Besucher von einem Schrank thronend herunter ihre Geschichte erzählt. Offensichtlich ist Gillick die Katze und übernimmt, wie bereits in vielen Arbeiten zuvor, die Rolle des Theoretikers, Kritikers und Diskurskünstlers, der von Sozialreformmodellen und Gesellschaftsutopien spricht.

Die Hoffnung, sich mit Hilfe der Außenperspektive eines Briten von der ideologisch aufgeladenen Architektur befreien zu können, bleibt unerfüllt. Nikolaus Schafhausens Experiment als gescheitert zu bezeichnen, ist dennoch nicht gerechtfertigt. Vielmehr ist zu unterstreichen, dass Schafhausen bereits mit der Auswahl des Künstlers eine Aussage zur Geschichte des deutschen Pavillons gemacht hat und das Prinzip der Länderpavillons aufbricht. Das haben auch andere getan. So kuratiert der Deutsche Tobias Berger den Hong-Kong-Pavillon, und dem Österreichischen Pavillon hat die Künstlerin Elke Krystufek anstelle des Ländernamens gleich ein neues Schild mit der Aufschrift TABU verpasst.

Die Zeit scheint überreif zu sein, um das Prinzip der Länderpavillons zu hinterfragen. Da hätte man sich gewünscht, dass auch Liam Gillick einen Schritt weiter geht, als sich nur mit dem Ort seiner Kunst und dessen Geschichte zu beschäftigen. Bleibt zu hoffen, dass dies in der Zukunft des deutschen Pavillons passieren wird.